Autozulieferer : Schaeffler und Conti zapfen den Staat an

Nach der Übernahme des Autozulieferers Continental braucht das fränkische Familienunternehmen Schaeffler nun offenbar Staatshilfe: Bayern und Niedersachsen stellen eine Milliarde Euro bereit, damit der neue Autozulieferer nicht kollabiert.

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Sieg ohne Glanz. Nicht Maria-Elisabeth Schaeffler, sondern die Banken haben nun das Sagen bei dem neuen Konzern. Foto: dpa

DüsseldorfDüsseldorf - Der Staat will den mit 22 Milliarden Euro hoch verschuldeten Autozulieferer Schaeffler-Continental mit einer Milliarde stützen. Die Länder Bayern und Niedersachsen wollen voraussichtlich jeweils eine halbe Milliarde Euro bereitstellen, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Kreisen beider Unternehmen. Bayerns Wirtschaftsministerium bestätigte am Sonntag Gespräche über Hilfen. Die Details – Bürgschaft, Garantien oder eine direkte Beteiligung – seien noch offen, hieß es in Regierungskreisen. Damit tritt der Staat erstmals seit Beginn der Wirtschaftskrise unmittelbar als Retter von Industriefirmen auf. Laut bayerischem Wirtschaftsministerium müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, wenn Steuergeld eingesetzt werde. Niedersachsens Staatskanzlei äußerte sich nicht.

Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler ist mit 49,9 Prozent Großaktionär des M-Dax-Konzerns Continental und hat weitere 40 Prozent bei Banken geparkt. Schaefflers Schulden drohen das von der Autokrise gebeutelte Unternehmen zu erdrücken, hieß es in Finanzkreisen. „Wie es weitergeht, entscheidet nicht mehr Frau Schaeffler, sondern die Banken und die Länder“, hieß es in der Industrie. Große Teile des Schaeffler-Imperiums sollen an Banken verpfändet sein.

In den vergangenen zwei Wochen intensivierten sich die Verhandlungen über Staatshilfen. Bereits am Donnerstag hatten sich Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der die Einhaltung des im Sommer 2008 nach dem Ende des Übernahmekampfes geschlossenen Investorenvertrags garantieren soll, und Continental-Chef Karl Thomas Neumann getroffen. Die Lösung des Konfliktes nahm einen Tag später mit Unterstützung von Bankern und Anwälten Kontur an. Am Samstag unterbrach Contis Aufsichtsrat seine Krisensitzung in Hannover für ein Gespräch mit Schröder. Später kam die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler dazu. Hierzulande beschäftigen beide Unternehmen 80 000 Menschen, weltweit 215 000.

Das Hilfsangebot von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) war Verhandlungskreisen zufolge an eine Bedingung geknüpft. Schaeffler musste einwilligen, den Conti-Kern – die Gummi-Gruppe mit dem Reifen- und Schlauchgeschäft – unter Führung des Aufsichtsratschefs Hubertus von Grünberg herauszulösen. Schaeffler soll in Zukunft nur noch eingeschränkt Zugriff auf diesen Teil des Konzerns haben.

Von Grünberg soll Käufer für die Gummi-Gruppe finden. Dabei dürfte es sich Aufsichtsratskreisen zufolge um Private-Equity-Unternehmen handeln. Für deren finanziellen Einsatz könnte Niedersachsen bürgen, hieß es. Damit erweisen sich die Zusagen aus Hannover und München als eigentlicher Faktor des Kompromisses, den Continental und Schaeffler am Samstag verkündet hatten. Vorausgegangen waren heftige Streits zwischen beiden Firmen. Die Einigung sieht vor, dass von Grünberg den Vorsitz des Conti-Aufsichtsrates an den Schaeffler-Mann Rolf Koerfer abgibt. Schaeffler wiederum entsendet nur vier Vertreter – nicht die geforderten zehn – in das Conti-Gremium. HB

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