Autozulieferer : Siemens verkauft VDO an Conti

Im Poker um den Autozulieferer Siemens VDO hat sich der Hannoveraner Konzern Conti durchgesetzt. 11,4 Milliarden Euro zahlt er für das Unternehmen mit seinen rund 50.000 Mitarbeitern. Daneben gab Europas größter Technologiekonzern Siemens den Kauf der US-Medizintechnikfirma Dade Behring für sieben Milliarden Dollar bekannt.

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Conti übernimmt den Autozulieferer Siemens VDO mit 50.000 Mitarbeitern. -Foto: dpa

München/Hannover Mit der milliardenschweren Übernahme der Siemens-Sparte VDO steigt Continental zu einem der fünf weltgrößten Autozulieferer auf. Nach einem Preispoker zahlt Conti 11,4 Milliarden Euro für das Unternehmen mit seinen rund 50.000 Mitarbeitern. Das teilten Siemens sowie Continental mit. Es ist die mit Abstand größte Übernahme in der Conti-Geschichte. Continental setzte sich im Bieterkampf um VDO gegen den US-Zulieferer TRW durch, hinter dem der US-Finanzinvestor Blackstone steht. Der geplante Börsengang von Siemens VDO ist vom Tisch.

Ursprünglich hatte Siemens den VDO-Börsengang geplant. Allerdings hatte Conti von Anfang an großes Interesse an einem Komplettkauf gezeigt. Continental und Siemens VDO kommen zusammen auf einen Jahresumsatz von rund 25 Milliarden Euro und knapp 140.000 Beschäftigten weltweit. Weltweiter Marktführer ist Bosch.

Möglicher Stellenabbau noch unklar

Conti erhofft sich von der Übernahme Synergien in Höhe von mindestens 170 Millionen Euro ab dem Jahr 2010. Der Vollzug des VDO-Erwerbs wird bis Ende des Jahres erwartet, die vollständige Integration soll Ende 2009 abgeschlossen sein. Ob es einen Stellenabbau gibt, ist unklar.

Conti stärkt mit VDO vor allem sein Elektronik-Geschäft. Dies gilt als Wachstumsmarkt. In den vergangenen Jahren hat sich der Konzern von einem Reifenhersteller zu einem Komplett-Zulieferer rund ums Auto gewandelt.

Siemens gab zugleich den geplanten Kauf der US-Medizintechnikfirma Dade Behring bekannt. Der Kaufpreis betrage sieben Milliarden Dollar, hieß es. Die Kartellbehörden müssten auch dieses Transaktion noch zustimmen.

Wulff begrüßt Verkauf an Conti

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) begrüßte den Verkauf von Siemens VDO an Continental. "Bei der Übernahme von VDO durch Continental werden von allen diskutierten Modellen die meisten Arbeitsplätze gesichert", sagte Wulff. "Die Entscheidung ist gut für die Siemens AG, gut für die Arbeitsplätze und gut für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen."

Continental hatte in dem Bieterkampf um VDO auch auf das nationale Interesse verwiesen. Bestimmte Schlüsselindustrien und -technologien dürften in Deutschland nicht verloren gehen, hatte Conti-Vorstand Karl-Thomas Neumann gesagt. Wulff hatte aus Sorge um Jobs vor einem VDO-Verkauf an TRW/Blackstone gewarnt.

Bei einem Verkauf von VDO an TRW und Blackstone hatte es in Hannover Befürchtungen gegeben, dass Conti in diesem Fall selbst zum Übernahmeziel der Amerikaner werden könnte. Continental selbst hatte sich in der jüngsten Vergangenheit mehrfach deutlich verstärkt, darunter mit dem Hamburger Mitbewerber Phoenix oder der Autoelektronik-Sparte des US-Konzerns Motorola. Conti wolle im Konsolidierungsprozess der Branche zu den Gewinnern zählen, hatte Vorstandschef Manfred Wennemer wiederholt gesagt. (mit dpa)

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