Wirtschaft : Aventis: Der Pharma-Konzern verzeichnet kräftigen Gewinnsprung

Der deutsch-französische Pharma-Konzern Aventis hat nach einem kräftigem Gewinnplus im ersten Halbjahr seine Prognosen für 2001 erhöht. Zugleich gab der Vorstand am Donnerstag in Straßburg bekannt, dass die Gespräche über den Verkauf der Pflanzenschutz-Sparte Aventis Crop-Science noch andauern. Nach Brancheninformationen war ursprünglich ein schnellerer Abschluss erwartet worden. Die Aventis-Aktie legte im Handelsverlauf leicht zu.

Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Aventis im Kerngeschäft nunmehr mit einem Umsatzwachstum von 13 Prozent und einem Anstieg des Ergebnisses je Aktie von rund 35 Prozent. Bislang war das Unternehmen von rund zehn Prozent Umsatzanstieg und 30 Prozent Gewinnplus je Aktie ausgegangen. Im ersten Halbjahr 2001 erhöhte sich der Konzerngewinn nach Steuern ohne Sondereinflüsse um 15,5 Prozent auf 730 Millionen Euro (1,4 Milliarden Mark). Analysten hatten mit niedrigeren Zahlen gerechnet. Der Umsatz des Konzerns, der 1999 aus der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc hervorging, stieg um fünf Prozent auf 11,6 Milliarden Euro. Das Wachstum im zweiten Quartal wurde nach Unternehmensangaben von drei Blockbustern getragen, also von Medikamenten, die im Jahr einen Milliarden-Dollar-Umsatz erreichen. Den stärksten Erlösanstieg mit 43,4 Prozent auf 460 Millionen Euro habe das Heuschnupfen-Mittel Allegra erwirtschaftet. Analysten äußerten sich zufrieden über die vorgelegten Zahlen. "Die Margenverbesserung ist sehr gut, besser als unsere Erwartungen waren", sagte ein Branchenanalyst in London. Neben den guten Umsätzen seien allerdings die Investitionen in Forschung und Entwicklung höher als prognostiziert ausgefallen, was einen Einfluss auf die Margen gehabt habe. Nach Aventis-Angaben stieg im zweiten Quartal die Bruttomarge gemessen in Prozent vom Umsatz auf 72 Prozent von 65,9 Prozent im zweiten Quartal 2000.

Sorgen bereiten jedoch Patentrechtsstreitigkeiten um das Heuschnupfenmedikament Allegra in den USA. Das US-Unternehmen Barr Laboratories, das Nachahmer-Medikamente herstellt, hatte vor kurzem bei der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für eine generische Tablettenversion von Allegra beantragt.

Aventis wies bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen darauf hin, dass das Konzernergebnis Aktivitäten enthalte, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Dazu zähle unter anderem die Pflanzenschutz-Sparte Aventis Crop-Science. Aventis stehe vor der Umwandlung zum reinen Pharmaunternehmen. Die Veräußerung der Industrieaktivitäten sei weitgehend abgeschlossen, sagte Finanzchef Patrick Langlois. Der Verkauf von Aventis Crop-Science sowie Animal Nutrition solle bis Ende Jahres umgesetzt werden. Zur Trennung von Crop-Science erklärte Vorstand Horst Waesche, die Verhandlungen mit Bayer dauerten an. Mit einem Abschluss sei "in naher Zukunft" zu rechnen. "Bevor ein abschließender Vertrag unterzeichnet werden kann, müssen jedoch die erforderlichen internen Informations- und Konsultationsprozesse mit den Arbeitnehmervertretern abgeschlossen werden", sagte Waesche. Nach früheren Angaben aus Branchenkreisen soll Bayer für Aventis Crop-Science rund 7,25 Milliarden Euro einschließlich Schulden zahlen. Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer will durch den Kauf des Aventis / Schering-Gemeinschaftsunternehmens Crop-Science in die Weltspitze der Agrarchemie aufsteigen. Zu den Verhandlungen mit CVC Capital Partners Ltd zum Verkauf der Sparte Animal Nutrition teilte Aventis mit, ein Abschluss sei für die zweite Jahreshälfte zu erwarten.

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