Wirtschaft : Aventis: Jürgen Dormann bleibt lieber im Hintergrund

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Blass sitzt Jürgen Dormann auf dem Podium zwischen seinen Vorstandskollegen im Straßburger Holiday Inn. Dass die von dem 60-jährigen Heidelberger vor gut zwei Jahren angestoßene Gigantenfusion von Hoechst und Rhone-Polence mittlerweile ohne Zweifel zu einem Erfolg geworden ist, sieht man ihm nicht so richtig an. Dormann strahlt nicht, nicht einmal ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

Er vermittelt fast den Eindruck, als gehöre er gar nicht dazu. Dabei könnte er sich mit stolz geschwellter Brust auf das Podium lümmeln. Schließlich sind etliche Vorhaben ähnlicher Dimension, gerade auch in der Pharmasparte, in den vergangenen Jahren in die Hose gegangen. Doch Dormann präsentiert sich eher als ein stiller Genießer. Für den Erfolg, das zeigen die wenigen Worte, die er auf der Bilanzpressekonferenz sagt, macht der Vorstandschef nicht nur eine klare Strategie verantwortlich, sondern vor allem ein schlagkräftiges Team an der Spitze. "Wir schaffen eine neue gemeinsame Kultur und Identität. Wir bilden ein internationales, entgrenztes Unternehmen, das sich an Leistung und Innovationskraft orientiert. Das ist unsere Energiequelle", sagt der hagere Manager. Nach diesen wenigen Sätzen zeigt Dormann gleich, was er meint: das Podium überlässt er während der knapp neunzig Minuten fast ausschließlich seinen Vorstandskollegen. Dass Dormann der Chef und der strategische Kopf ist, wird dabei nicht gerade deutlich.

Trotzdem zeigt auch der blasse Auftrittvon Dormann in Straßburg eines ganz deutlich: Der Mann steckt immer noch voller Visionen und voller Tatendrang. Und dabei gewinnt er immer neue Erkenntnisse. "Ich habe die Entwicklung unterschätzt", meint er am Vorabend in kleiner Runde. Dass sich die Pharmabranche so rasch entwickeln würde und die Landwirtschaftssparte nur ein mäßiges Tempo fährt, hätte er nicht gedacht. "Gigantisch" seien inzwischen die Möglichkeiten im Pharmabereich. Dort lässt sich das große Geld verdienen. Also konzentriert Aventis seine ganze Management-Kraft erst einmal auf diese Sparte und stößt das Agro-Geschäft ab. Dass damit die hochgelobte Life-Science-Idee nach nicht einmal 15 Monaten schon wieder obsolet ist, stört Dormann nicht besonders. In fünf bis zehn Jahren könnte sie, sagt er, wieder aufleben. Wenn der Agro-Bereich doch ähnliches Potential zeigen sollte wie das Pharmageschäft, sei eine Wiederbelebung vorstellbar. Aber erst einmal will Dormann endlich die Lücke zu den großen der Branche wie Pfizer oder Glaxo schließen. Und möglicherweise bei der seiner Ansicht nach immer noch nicht abgeschlossenen Konzentration in der Pharmasparte eine entscheidende Rolle spielen. Dormann ist bis weiter für Überraschungen gut, jedenfalls bis Dezember 2004. Dann läuft sein Vertrag aus. Und vielleicht strahlt er dann endlich einmal über das ganze Gesicht.

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