Wirtschaft : Aventis: Konzernchef: Die Fusion ist geschafft

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"Die Fusion ist geschafft, jetzt geht es um die nächsten Schritte zu einem reinen Pharmaunternehmen." Das erste volle Geschäftsjahr hat dem Straßburger Life-Science-Unternehmen Aventis nach Ansicht von Vorstandschef Jürgen Dormann einen überwältigen Erfolg gebracht. Nach Steuern erreichte der Konzern im Jahr 2000 einen Gewinn vor Sonderposten von 1,12 Milliarden Euro, 63 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damals lag nur eine Pro-Forma-Bilanz der fusionierten Unternehmen Hoechst und Rhône-Poulenc vor. Unter Berücksichtigung der Fusionskosten allerdings verbuchte Aventis einen Nettoverlust von 147 Millionen Euro. In den nächsten drei Jahren will das Unternehmen, wie Dormann am Freitag in Straßburg verkündete, beim Umsatz jährlich um zehn Prozent zulegen. Der Gewinn je Aktie soll um mindestens 25 bis 30 Prozent steigen, versprach der Aventis-Chef.

Hoechst und Rhône-Poulenc haben nach Ansicht von Dormann eindrucksvoll gezeigt, dass eine Fusion in ihrer Sparte ein Erfolg werden kann. Entscheidend dafür sei vor allem, dass sich das Team an der Spitze über die Strategie und die Umsetzung dieser Strategie einig sei. Dass sich Aventis nach gerade mal einem Jahr wieder vom Landwirtschaftsgeschäft - Aventis Crop Science - trennen will und sich damit auch vom Life Science-Konzept verabschiedet, schreibt Dormann der rasanten Entwicklung in der Biotechnologie zu. Damit entstünden gigantische Möglichkeiten in der Pharmasparte. Noch im Laufe dieses Jahres will sich Aventis von der Agro-Sparte trennen. Man wolle eine Entscheidung auch im Sinne der Aktionäre, so Aventis-Vorstandsmitglied Horst Wäsche. Wie weit dabei die Gespräche mit dem Berliner Pharma-Konzern Schering, der 24 Prozent an Crop Science hält, gediehen sind, sagte Waesche nicht. Dem Vernehmen nach prüft Aventis den Verkauf der Sparte an einen Investor, der das Unternehmen später an die Börse bringt. Möglich wäre auch eine Veräußerung in Teilen. Unter anderem mit dem Verkauf der Agro-Sparte sowie der letzten Chemie-Beteiligungen Messer und Wacker will Aventis seine großen Finanzschulden von derzeit rund 13,1 Milliarden Euro bis 2004 komplett herunterfahren. Der Verkauf soll 4,4 Milliarden Euro einspielen, dazu gibt Aventis Schulden dieser Unternehmen von 5,2 Milliarden Euro ab.

Schon im ersten vollen Jahr wurde das Geschäft von Aventis vor allem von der Pharma-Sparte getrieben. Insgesamt erreichte das Unternehmen einen Umsatz von 22,3 Milliarden Euro nach 20,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Dabei entfielen 16,1 Milliarden Euro auf das Pharma-Geschäft. Dort gab es einen Zuwachs von fast 16 Prozent. Für den Erfolg seien vor allem das starke Wachstum einzelner Präparate und große Fortschritte in den USA, dem größten Pharmamarkt der Welt, verantwortlich. Aventis Crop Science erreichte gut vier Milliarden Euro Umsatz und damit etwas weniger als ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen und außerordentlichen Aufwendungen legte allerdings im Pharmabereich um 27,5 Prozent auf 3,12 Milliarden Euro zu, bei Crop Science aber nur um 11,6 Prozent auf 529 Millionen Euro.

Insgesamt erzielte Aventis nach Angaben von Dormann im vergangenen Jahr Einsparungen und Synergien aus der Fusion von 430 Millionen Euro und damit knapp zehn Prozent mehr als geplant. "Im Jahr 2001 wollen wir rund 900 Millionen Euro einsparen, ein Jahr danach sollen es 1,2 Milliarden Euro sein", sagt Finanzchef Patrick Langlois. Im Jahr 2000 hat Aventis weltweit zwar rund 6000 Mitarbeiter neu eingestellt, durch die Fusion wurden allerdings auch gut 9000 Stellen abgebaut. Damit zählte der Konzern Ende Dezember weltweit rund 92 500 Mitarbeiter, 3300 weniger als ein Jahr zuvor.

Zwar hat sich die Aventis-Aktie im vergangenen Jahr mit einem Plus von 62 Prozent im Gegensatz zum Markt hervorragend entwickelt. Aber im Börsenwert hinkt das Unternehmen deutlich hinter den großen Konkurrenten hinterher. Aventis sei deshalb, sagte Dormann, noch lange kein Übernahmekandidat.

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