Wirtschaft : Aventis-Übernahme kurz vor dem Abschluss

Frankfurter Betriebsrat warnt vor Stellenabbau

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Berlin/Paris Die Übernahme des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis durch den französischen Konkurrenten Sanofi-Synthélabo ist fast abgeschlossen. Sanofi hat bis gestern mehr als 95 Prozent der Aventis-Anteile gekauft, teilte der Konzern am Montag unter Berufung auf die französische Börsenaufsicht AMF mit. Die Zahlen sind noch vorläufig, endgültige Angaben kündigten die Franzosen für Donnerstag an. Die Aktien beider Firmen reagierten gestern mit Kurssteigerungen. „Für Sanofi sind das sehr gute Neuigkeiten“, sagte ein Analyst einer Großbank in Paris. „Wir hatten erwartet, dass sie nur etwa 70 Prozent schaffen. Der Markt hat den Deal damit eindrucksvoll unterstützt.“

Durch den Zusammenschluss von Sanofi und Aventis entsteht das drittgrößte Pharmaunternehmen der Welt – nach dem US-Konzern Pfizer und der britischen Glaxo-Smithkline. Das fusionierte Unternehmen wird mehr als 100 000 Beschäftigte und einen Gesamtumsatz von rund 24,5 Milliarden Euro haben. Sanofi verspricht sich von der Übernahme des größeren deutsch-französischen Rivalen Synergieeffekte in Höhe von 1,6 Milliarden Euro bis 2006.

Welche Folgen die Übernahme für die Beschäftigten haben wird, ist nach Angaben von Michael Klippel, Betriebsratschef von Aventis Frankfurt, noch „völlig unklar“. Vor allem die rund 500 bis 600 Beschäftigten vom Innendienst hingen in der Luft. Eine Entscheidung erwartet Klippel nicht vor September. Der Konzern habe den Beschäftigen zwar Beschäftigungssicherung zugesagt, Klippel befürchtet aber, dass dies „nur kurz- bis mittelfristig hält“. Zuvor hatte er es als „realistisches Szenario“ bezeichnet, dass nach und nach 2000 bis 3000 der derzeit 9000 Stellen in Deutschland nach Frankreich abgezogen werden könnten. Er befürchtet, dass viele Aventis-Mitarbeiter nach der Übernahme schlechter gestellt werden könnten.

Sanofi und Aventis hatten sich im April nach monatelangem Kampf auf eine Übernahme geeinigt. Sanofi zahlt dafür rund 52 Milliarden Euro. Nach der EU-Kommission hatte Ende Juli auch die US-Kartellbehörde FTC die Übernahme unter Auflagen genehmigt. pet/HB

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