Wirtschaft : Aventis: Verkauf von Crop Science perfekt

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Die Übernahme der Agro-Sparte von Aventis durch Bayer ist so gut wie perfekt. Am 12. September wollen beide Seiten die Vereinbarung verkünden. Vergangene Woche wurden in Frankfurt die letzten Details über den Verkauf von Aventis Crop Science geklärt, wie der Tagesspiegel aus Verhandlungskreisen erfuhr. Bis 10. September läuft eine Frist zur Anhörung des Aventis-Betriebsrates. Bayer wird 5,5 Milliarden Euro bezahlen. Etwa ein Viertel des Kaufpreises geht an die Berliner Schering AG, die 24 Prozent an Aventis Crop Science hält. Damit erzielt der Pharmahersteller einen höheren Anteil am Kaufpreis als es seinem Kapital-Anteil entspricht, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Für Februar oder März kommenden Jahres ist der Vollzug der Übernahme vorgesehen. Bis dahin werden auch die Kartellbehörden die Übernahme prüfen. Möglicherweise muss das neu formierte Unternehmen das Insektizid-Geschäft veräußern, weil es hier eine marktbeherrschende Stellung inne haben würde. Gleichwohl erwarten weder Aventis noch Bayer größere Probleme.

Seit Anfang Juli hatte Aventis exklusiv mit Bayer über die Abgabe der Pflanzenschutz- und Tiergesundheitssparte verhandelt. Aventis-Vorstandschef Jürgen Dormann hatte bereits Ende des vergangenen Jahres und damit nur ein Jahr nach der Fusion von Hoechst und Rhône-Poulence angekündigt, Crop Science bis Ende 2001 wieder zu verkaufen. Die Rendite-Aussichten in dieser Sparte sind Dormann nicht groß genug.

Nach dem Skandal um das Medikament Lipobay waren Spekulationen aufgekommen, ob Bayer die Übernahme noch durchziehen werde. Gerade dies allerdings hat Insidern zufolge den Druck auf Bayer erhöht, sich im Agro-Bereich zu verstärken. "Bayer bleibt nichts anderes übrig als zu kaufen." Zeitweise keimte dadurch bei Aventis die Hoffnung auf, mehr als die jetzt vereinbarten 5,5 Milliarden Euro erzielen zu können. Schwierig haben sich die Gespräche angeblich auch wegen Schering gestaltet. Die Berliner hätten die Verhandlungen "enorm verkompliziert", heißt es in Frankfurt.

Durch die Übernahme von Aventis Crop Science wird Bayer hinter der schweizerischen Syngenta zum weltweit zweitgrößten Agro-Unternehmen mit einem Umsatz von rund acht Milliarden Euro und etwa 23 000 Mitarbeitern. Aventis Crop Science gilt derzeit als drittgrößtes Unternehmen der Branche. Im ersten Halbjahr 2001 hat die Sparte des Straßburger Life-Science-Konzerns den Umsatz um knapp sechs Prozent auf 2,37 Milliarden Euro gesteigert, der Brutto-Gewinn stieg um gut 18 Prozent auf 525 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 15 300 Mitarbeiter und. In der Bayer-Sparte Landwirtschaft stagnierte der Umsatz in den ersten sechs Monaten bei 2,1 Milliarden Euro, der operative Gewinn schrumpfte um sieben Prozent auf 500 Millionen Euro. Wie Bayer-Finanzchef Werner Wenning kürzlich vor Analysten erläuterte, wollen die Leverkusener die Gesamtkosten durch den Zusammenschluss um jährlich etwa 500 Millionen Euro senken.

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