Wirtschaft : Aventis wächst trotz Dollarschwäche

Pharmakonzern bekräftigt Erwartungen für das Gesamtjahr / Donnerstag legt auch Schering Zahlen vor

-

Berlin (pet). Der schwache Dollar und der Verkauf von Randbereichen haben den Umsatz des französischdeutschen Pharmakonzerns Aventis im zweiten Quartal 2003 erwartungsgemäß gedrückt. Im Kerngeschäft ging der ausgewiesene Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um 6,2 Prozent zurück. Ohne Währungseinflüsse wäre er um knapp sieben Prozent gestiegen. Der Gewinn lag dagegen leicht über den Erwartungen der Analysten. „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung unseres Kerngeschäfts im zweiten Quartal“, sagte Aventis-Vorstandschef Igor Landau am Dienstag in Straßburg. Zum Kerngeschäft gehören verschreibungspflichtige Medikamente und Impfstoffe. Trotz negativer Währungseinflüsse habe Aventis ein solides Wachstum bei Umsatz und Ertrag erreicht. An den Zielen für das Gesamtjahr hält Landau fest: Der Umsatz soll im hohen einstelligen Bereich wachsen. Im Frankfurter Xetra-Handel verlor die Pharma-Aktie am Dienstag 1,12 Prozent auf 46,72 Euro.

Aventis, das 1999 aus der Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc hervorgegangen ist, hat im zweiten Quartal vor allem von guten Verkäufen des Allergiemittels Allegra und des Thrombosemittels Lovenox/Clexane in den USA profitiert. Auf dem wichtigsten Pharmamarkt der Welt legte allein der Umsatz mit Lovenox um 18,5 Prozent zu. Das bewerten Analysten als besonders positiv, da Ärzte bei einigen Patienten Nebenwirkungen festgestellt hatten, die den Markt zeitweise verunsichert hatten. Hohe Wachstumsraten erzielte auch das neuere langwirkende Insulinpräparat Lantus. Zugleich berichtete Aventis von guten Fortschritten bei der Entwicklung neuer Präparate. So sei im zweiten Quartal das schnellwirkende Insulin Glulisin zur Zulassung in den USA und Europa eingereicht worden.

In Landeswährungen stieg der Aventis-Umsatz im Kerngeschäft insgesamt um 6,9 Prozent auf 4,17 Milliarden Euro. Einen deutlichen Umsatzanstieg verzeichnete das Unternehmen in den USA, wo das Kerngeschäft währungsbereinigt um 14,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro wuchs. Aventis erzielt mehr als ein Drittel des Umsatzes in den USA. Der Gewinn nach Steuern stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal insgesamt um 18,8 Prozent auf 603 Millionen Euro. „Es hat keine großen Überraschungen gegeben“, sagte Pharma-Analyst Giusep Demont von der Banc Vontobel. Der Umsatz sei leicht schwächer als erwartet, der Ergebnis liege dagegen leicht über den Erwartungen.

Vergleichsweise schwach war die Geschäftsentwicklung in Deutschland. Kostendämpfungsmaßnahmen und steigende Parallelimporte (von preisgünstigeren Arzneimitteln) haben den Umsatz im zweiten Quartal nach Unternehmensangaben um 2,9 Prozent auf 263 Millionen Euro verringert.

Im Aventis-Konzern sank der Umsatz im ersten Halbjahr auf 8,6 (Vorjahreszeitraum: 11,3) Milliarden Euro, unter anderem wegen des Verkaufs der Töchter Aventis Cropscience und Aventis Animal Nutrition. Der Konzerngewinn nach Steuern ging im ersten Halbjahr ebenfalls deutlich zurück – von 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr auf 813 Millionen Euro.

Der schwache Dollar wird nach Erwartungen von Analysten auch den Umsatz des Berliner Pharmakonzerns Schering im zweiten Quartal drücken. Schering legt am Donnerstag Zahlen vor. Das Unternehmen macht mehr als die Hälfte seines Umsatzes in ausländischen Währungen. Pharma-Analyst Peter Düllmann von der Privatbank Sal. Oppenheim erwartet einen Währungseinfluss „in ähnlicher Größenordnung wie im ersten Quartal“. In den ersten drei Monaten des Jahres war der Schering-Umsatz währungsbedingt um sieben Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro zurückgegangen. In lokalen Währungen wuchs der Umsatz dagegen um sechs Prozent. Das operative Ergebnis des Pharmakonzerns wird nach Analysten-Einschätzung im zweiten Quartal aber trotzdem steigen, da ein Großteil der Transaktionskosten durch Kurssicherungsgeschäfte abgesichert ist. Bei dem wichtigsten Schering-Produkt, dem Multiple-Sklerose-Medikament Betaseron, erwarten Marktbeobachter ein schwächeres Wachstum im Vergleich zum Vorquartal. Grund sei der stärker werdende Wettbewerb mit den Konkurrenzprodukten Avonex des US-Pharmakonzerns Biogen und Rebif des Schweizer Biotech-Unternehmens Serono in den USA. Im ersten Quartal war der Schering-Umsatz mit Betaferon im Vergleich zum Vorjahresquartal um vier Prozent auf 191 Millionen Euro gestiegen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben