Wirtschaft : Aventis will sich nicht schlucken lassen

Pharmakonzern weist das Übernahmeangebot des kleineren Konkurrenten Sanofi-Synthélabo als „feindlich“ zurück

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Paris/Berlin /Frankfurt (ali/fw/pet/ro). Der französische Pharmakonzern SanofiSynthélabo will den Wettbewerber Aventis für 48 Milliarden Euro per feindlicher Übernahme schlucken. „Wir wollen ein neues, weltweit führendes Unternehmen im Pharmageschäft schaffen“, sagte Sanofi-Chef Jean-François Dehecq bei der Vorstellung der Übernahme-Offerte am Montag in Paris. Das Management von Aventis wies das Angebot umgehend als „feindlich“ zurück. In Börsenkreisen wurde spekuliert, andere Branchengrößen könnten ebenfalls Kaufangebote vorlegen und damit eine Übernahmeschlacht auslösen. Die 9000 Aventis-Mitarbeiter in Deutschland machen sich bereits Sorgen um ihren Arbeitsplatz.

Sollte Sanofi mit dem Übernahmeversuch Erfolg haben, entstünde mit einem Umsatz im Pharmageschäft von 25 Milliarden Euro der drittgrößte Pharmakonzern der Welt – nach dem US-Konzern Pfizer und der britischen Glaxo-Smithkline. Sanofi-Chef Dehecq rechnet damit, durch die Übernahme von 2006 an jährliche Synergien von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaften zu können. Dem stehen einmalige Kosten für den Zusammenschluss von zwei Milliarden Euro gegenüber.

Sanofi bietet den Aventis-Aktionären eine Kombination aus Aktientausch und Barkomponente an. Die Aventis-Anteilseigner können jeweils sechs Aventis-Aktien gegen fünf Sanofi-Titel eintauschen und bekommen zusätzlich 69 Euro in bar. Damit wird eine Aventis-Aktie mit 60,43 Euro bewertet. Laut Dehecq entspricht das einer Prämie von rund 15 Prozent vom letzten Aventis-Kurs, bevor die Übernahmespekulationen die Aventis-Aktie in die Höhe trieben.

Das Aventis-Management rechnet dagegen vor, der gebotene Preis würde gerade mal einer Prämie von knapp vier Prozent auf den letzten Börsenkurs von Aventis entsprechen. Auch wegen des aus ihrer Sicht zu niedrigen Preises lehnen Management und Aufsichtsrat von Aventis die Offerte ab. Der 1999 aus der Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc hervorgegangene AventisKonzern bereitet nach Informationen aus Branchenkreisen eine Abwehrstrategie vor – mit Hilfe der Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Allerdings muss die Europäische Kommission einer möglichen Übernahme noch zustimmen. In der Wettbewerbsabteilung wartet man bereits auf die Anmeldung. „Innerhalb von sieben Tagen nach der Abgabe des Übernahmeangebots muss das Vorhaben bei uns angemeldet werden“, sagte ein Sprecher von Wettbewerbskommissar Mario Monti dem Tagesspiegel.

Aus der geplanten Übernahme wird nach Ansicht der Marktbeobachter ohnehin nur dann etwas, wenn Sanofi das Angebot für die Aventis-Aktionäre deutlich erhöht. „Ein Aufschlag von nicht einmal vier Prozent auf den Schlusskurs der Aventis-Aktie vom Freitag ist viel zu niedrig“, sagt Gerrit Joost von der ING BHF Bank. Auch Arno Burckhardt, Fusionsexperte der Unternehmensberatung M&A International, sagt: „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.“

Gewerkschaftsvertreter sehen bei einer Fusion Tausende der weltweit 100 000 Arbeitsplätze beider Firmen in Gefahr. Auch der Finanzmarkt ist skeptisch. Mit Sanofi und Aventis entstehe nicht unbedingt ein „kräftiger“ Marktteilnehmer, sagt der unabhängige Finanzanalyst Thomas Schiessle.

Sanofi-Chef Dehecq verteidigte sein Vorgehen. „Eine freundliche Übernahme bringt sehr langwierige Verhandlungen mit sich. Mit einem offenen, direkten Angebot umgeht man diesen lang dauernden Prozess, der nur die Spekulation fördert.“ Die französische Regierung hat Unterstützung zugesagt.

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