Wirtschaft : Aventis: "Wir sind mehr wert als BASF und Bayer zusammen"

Für Jürgen Dormann steht knapp 20 Monaten nach der Gründung von Aventis, dem Zusammenschluss von Hoechst und Rhône-Poulenc fest: Der Pharmakonzern schreibt eine Erfolgsgeschichte, die sich in den nächsten Jahren mit hohen Wachstumsraten beim Umsatz und beim Gewinn fortsetzen wird. Mit einem Börsenwert von rund 70 Milliarden Euro sei Aventis längst gegen eine mögliche Übernahme gefeit, sagte Dormann am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. "Damit lassen wir die Deutsche Bank und Daimler-Chrysler locker hinter uns und sind zehn Prozent mehr wert als BASF und Bayer zusammen. Wer soll uns da kaufen?"

In diesem Jahr will Aventis den Umsatz um mindestens zehn Prozent und den Gewinn je Aktie um 30 Prozent steigern. Im ersten Quartal hatte das Unternehmen den Umsatz um 11,2 Prozent auf 5,86 Milliarden Euro gesteigert. Der Vorsteuer-Gewinn war um knapp 23 Prozent auf 317 Millionen Euro geklettert. Ähnliche Zuwachsraten wird der Konzern nach Dormanns Vorstellungen bis 2003 erreichen und vor allem auf den wichtigsten Pharmamärkten der Welt, in Japan und den USA, deutlich zulegen. Bis dahin werde man sich mit Übernahmen zurückhalten. Dann erst sei man finanzstark genug, um in Amerika oder Japan zuzukaufen. Allerdings werde man sich opportunistisch verhalten und auch bis dahin sich bietende Chancen nutzen. An deutschen Firmen hat Dormann kein Interesse. "Bringen Sie uns bitte nicht mit irgendeinem Unternehmen in Deutschland in Verbindung", sagte der Aventis-Chef.

Bei den 40 wichtigsten Medikamenten rechnet der Aventis-Chef in den nächsten Jahren mit einem Umsatzwachstum von über 50 Prozent jährlich. Gleichzeitig werde der Umsatzanteil in den USA in Richtung 40 Prozent gesteigert. Außerdem habe Aventis rund 30 aussichtsreiche Produkte in der Pipeline: unter anderem zur Behandlung von Krebs sowie von Stoffwechsel- oder Autoimmunkrankheiten wie Diabetes, Allergien, Asthma und Arthritis. Auch die Entwicklung bei Impfstoffen sei interessant.

Bis zum Jahresende will Dormann den in Straßburg ansässigen deutsch-französischen Konzern vollständig auf Pharma ausgerichtet und sich damit vom einst propagierten Life-Science-Konzept verabschiedet haben. Bis dahin soll die Agro-Sparte und damit das Landwirtschaftsgeschäft mit Pflanzenschutz und Düngemitteln verkauft sein. Erst nach der Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc im Dezember 1999 habe man erkannt, dass die Pharma-Sparte viel größeres Potential habe und viel schneller wachse als das Agro-Geschäft, obwohl es sich in den ersten fünf Monaten 2001 hervorragend entwickelt habe. In den nächsten Jahren wird der Weltmarkt für Agro-Produkte nach Angaben von Dormann um ein bis drei Prozent jährlich wachsen, für Pharma-Produkte dagegen um acht bis neun Prozent. Das Geld für die notwendigen Investitionen und Forschungsausgaben für beide Felder habe Aventis angesichts eines Schuldenbergs von 13 Milliarden Euro allerdings nicht. "Das ginge über unsere Hutschnur." Deshalb werde die Agro-Sparte verkauft. Ein zufriedenstellendes Angebot gibt es nach Angaben von Dormann noch nicht. Entsprechende Offerten würden allerdings noch eingehen. Dormann bestreitet im Übrigen, dass es mit der Berliner Schering AG, sie hält rund 24 Prozent an der Aventis Agro-Sparte, Differenzen über den zu erzielenden Verkaufspreis gebe.

Die Sparmaßnahmen im Gesundheits- und Sozialbereich in fast allen Industrieländern sind für Aventis nach Überzeugung von Dormann kein Problem. Durch die Produkte aus seinem Haus würden die Kosten im Gesundheitswesen auf Dauer sogar sinken. In Frankreich allerdings wird wohl auch Aventis einige Produkte vom Markt nehmen. Dort hat die Regierung vor einigen Tagen eine Liste mit 500 angeblich überflüssigen Präparaten veröffentlicht, darunter auch Produkte von Aventis. Aber das werde das Ergebnis nicht beeinträchtigen, versichert Dormann. An Aktionen zur kostenlosen oder verbilligten Verteilung von Medikamenten in Entwicklungsländern wird sich der Straßburger Pharmakonzern nur dann beteiligen, wenn damit auch generelle Verbesserungen der Gesundheitsversorgung und damit eine entsprechende Betreuung der Patienten gewährleistet ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar