Wirtschaft : AWD sieht Boom bei Altersvorsorge

Moritz Döbler

Berlin - Der Finanzdienstleister AWD sieht die private Altersvorsorge als das große Geschäft in diesem Jahr und erwartet Nachbesserungen des Gesetzgebers bei der so genannten Rürup-Rente. „Wir glauben, dass 2005 ein Jahr der Aufklärung wird. Das hat die Politik den Finanzberatern überlassen. Es ist die größte Rentenkürzung, die je stattgefunden hat“, sagte der Vorstandsvorsitzende Carsten Maschmeyer vor Journalisten in Berlin. Im laufenden Quartal erwarte AWD daher in Deutschland einen Umsatzzuwachs von mehr als zehn Prozent.

Die Rürup-Rente, benannt nach dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup, sieht vor, dass Sparer derzeit 60 Prozent der Beiträge für eine private Altersvorsorge als Sonderausgaben absetzen können. Dieser Prozentsatz steigt bis zum Jahr 2025 auf 100 Prozent. Gleichzeitig setzt die nachgelagerte Besteuerung – also bei Auszahlung – schrittweise ein; ab 2040 sind Renten voll zu versteuern. Zudem hat der Gesetzgeber den Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung und ihr Mindestrenteniveau festgeschrieben.

Maschmeyer sagte, er erwarte, dass die Politik den Anreiz zu Vertragsabschlüssen erhöhen und die Regeln vereinfachen werde. „In Europa ein Rentenprodukt anzubieten, das ein Leben auf Mallorca nicht erlaubt, ist falsch.“ Auch solle die Rürup-Rente mindestens bis zu einer gewissen Grenze vererbbar sein, forderte er. Von der Bundesregierung wünsche er sich eine Reform, die Altersvorsorge, Berufsunfähigkeitsversicherung und Pflegeversicherung verzahnt. „Ich stelle mir eine Egal-was-ist-Police vor.“

Maschmeyer kündigte an, dass AWD das zweistellige Umsatzwachstum der vergangenen Jahre organisch – also nicht durch Zukäufe – fortsetzen wolle. AWD bereite den geplanten Einstieg in China auf Hochtouren vor, sagte der Manager. „Wir gehen davon aus, dass wir im Sommer wissen, ob wir das angehen.“ Auch in China sei die private Altersvorsorge dank der Ein-Kind-Politik ein Wachstumsmarkt. AWD werde aber vermutlich den Weg eines Joint Ventures wählen, da die regulatorischen Hürden hoch seien.

Der Umsatzzuwachs aus Provisionserlösen lag im Gesamtjahr 2004 „deutlich über“ der erst jüngst nach oben revidierten Prognose von 17 Prozent, vor allem dank des starken Lebensversicherungsgeschäfts im letzten Quartal; das Ergebniswachstum war noch höher, berichtete Maschmeyer. Genaue Zahlen legt das im Aktienindex M-Dax notierte Unternehmen am 10. Februar vor.

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