Wirtschaft : Axel Springer Verlag: Der Zeitungskonzern dreht jede Mark jetzt zweimal um

hps/tel

Der Axel Springer Verlag geht auf strikten Sparkurs. Das kündigte Mathias Döpfner, designierter Vorstandsvorsitzender des größten Zeitungskonzerns in Europa, im Gespräch mit dem Handelsblatt an. "Wir haben mit unseren Verlagsgeschäftsführern und Chefredakteuren Sparprogramme beschlossen. Es gilt, jede Mark zweimal umzudrehen." Döpfner, seit November 2000 Zeitungs- und Multimediavorstand, gilt im Springer-Konzern als der starke Mann. Der 38-jährige Musikwissenschaftler genießt das Vertrauen der Mehrheitsaktionärin Friede Springer. Döpfner startete 1998 als Chefredakteur der "Welt". Anfang 2002 soll er die Nachfolge des derzeitigen Vorstandschefs August Fischer antreten.

Döpfners Botschaft ist eindeutig: "Die Einbrüche im Werbemarkt und die extremen Papierpreissteigerungen treffen die gesamte Branche hart. Auch uns. Selbst wenn wir als Marktführer in einigen Segmenten noch nicht so betroffen sind wie andere Verlage." Im Zeitungsmarkt öffnet sich die Schere zwischen Kosten und Einnahmen zur Zeit besonders stark. Um 8,4 Prozent sind laut AC Nielsen Werbeforschung die Bruttowerbeumsätze der Zeitungen im ersten Quartal 2001 gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Die Papierpreise dagegen sind um 20 Prozent gestiegen - Grund genug für alle Verlage, auf die Kosten zu schauen.

Der Axel Springer Verlag mit Sitz in Berlin und Hamburg hat Ende Februar für 2000 bei einem um acht Prozent auf 2,87 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz einen deutlich verringerten Jahresüberschuss (minus 35 Prozent auf 98 Millionen Euro) bekannt gegeben. Als Gründe für den Ertragsrückgang nannte Döpfner das verschlechterte Anzeigengeschäft im vierten Quartal sowie 100 Millionen Euro "Zukunftsinvestitionen". Auch die Aufwendungen im Kölner Gratiszeitungsmarkt, wo Springer und der ortsansässige Verlag M. DuMont Schauberg mit eigenen kostenlosen Blättern gegen Schibsteds "20 Minuten" vorgehen, schlagen zu Buche. Der Einsatz hat sich laut Döpfner aber gelohnt. Dass der norwegische Verlag Schibsted seine Expansion in Deutschland vertagt hat, wertet der Zeitungsvorstand als Etappensieg für Springer. "Mit der Gratiszeitung wird grundsätzlich etwas in Frage gestellt, was allen Verlagen und Journalisten heilig sein muss: Dass gute journalistische Qualität ihren Preis hat".

Kosten senken will Döpfner in seinem Zeitungsressort durch verstärkte Kooperation. Insbesondere "Bild" und "Bild am Sonntag", aber auch "Welt" und "Welt am Sonntag" müssen sich zusammenraufen. Bei allen Titeln hat Döpfner vor wenigen Monaten neue Chefredaktionen ernannt. Mit Grabenkämpfen soll Schluss sein. Döpfner: "Der Wettbewerb findet im Markt statt und nicht im Hause." Künftig werden die Blätter stärker vernetzt: Artikel, Serien und Fotos sollen sie gemeinsam einkaufen. Das bedeute aber noch lange nicht, dass "Bild" und "Bild am Sonntag" auch die gleiche Meinung haben müssten, sagte Döpfner. Denkbar sei auch, dass kleine Ressorts wie Reise, Auto, Job und Karriere zusammengelegt oder zumindest stärker verzahnt würden. Die Kernressorts Politik, Wirtschaft und Meinung seien davon aber nicht betroffen.

Wie sich der Springer Verlag in diesem Jahr entwickeln wird, darüber mag Döpfner nicht spekulieren. "Wir stellen die Weichen so, dass wir gewappnet sind, wenn die negative Entwicklung anhält, hoffen aber dennoch, dass die Wirtschaft den derzeit übertriebenen Pessimismus korrigiert." Der Abbau von Personal sei nicht geplant, gleichwohl wird im Verlag sorgfältig geprüft, inwieweit Neueinstellungen nötig sind. Investieren will Döpfner in die journalistische Qualität der Sonntagszeitungen. Dem Angriff der "FAZ" auf dem Sonntagsmarkt wird der Konzern nicht tatenlos zusehen (siehe Interview). Aus dem Online-Geschäft will sich Springer trotz des Sparkurses nicht verabschieden. Die Tochter AS Venture soll, ausgestattet mit 300 Millionen Mark, neue Vertriebskanäle erschließen. Bild.de und die T-Online sollen gemeinsam neben Werbung und E-Commerce auch durch den Verkauf von Inhalten Geld einbringen.

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