Wirtschaft : Axel Springer Verlag: Gewinne der AG brechen ein

mot/usi

Die Axel Springer Verlag AG rechnet nach einem Ergebniseinbruch im vergangenen Jahr auch 2001 mit einem "sehr schwierigen" Geschäftsjahr. Aufgrund von Investitionen in Höhe von 100 Millionen Mark sank 2000 der Jahresüberschuss um mehr als ein Drittel auf 98 Millionen Euro. Investiert wurde in die "Welt", in Programmzeitschriften und in Abwehrmaßnahmen im Markt der Gratiszeitungen, insbesondere aber in die Internet-Aktivitäten des Verlages. Der Umsatz stieg 2000 aufgrund des florierenden Anzeigengeschäfts bei den Zeitungen und den gestiegenen Vertriebserlösen bei den Zeitschriften um 8,9 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Vor allem das schlechte Anzeigengeschäft in den ersten Monaten dieses Jahres und die gestiegenen Papierpreise, die laut Vorstandschef August Fischer einen Mehraufwand "in größerer zweistelliger Millionenhöhe" verschlingen, lassen einen weiteren Ergebnisrückgang befürchten. "Die Jahre 2000, 2001 und 2002 stehen unter dem Zeichen der Zukunftssicherung", sagte Fischer am Donnerstag.

Es war die letzte Bilanz-Pressekonferenz von Vorstandschef Fischer. 1998 war er angetreten mit dem Zehn-Jahres-Ziel, den Konzernumsatz von fünf auf 12 Milliarden Mark, den Auslandsanteil von 13 auf 30 und das operative Konzernergebnis von 9 auf 15 Prozent zu verbessern. Am Donnerstag hingegen sprach er nur noch von zwei Zielen, die er gehabt habe: zum einen die wirtschaftliche Basis für ein langfristiges Wachstum zu erweitern; und zum anderen, die Führung zu erneuern. "Das zweite Ziel ist erreicht worden", stellte Fischer fest. An die Möglichkeit, die Rendite im Zeitraum von zehn Jahren zu verdoppeln, glaube er jedoch noch immer. Doch dies wird dann die Aufgabe seines Nachfolgers Mathias Döpfner sein, der den Vorstandsvorsitz im Januar 2002 übernimmt.

Vorrangiges Ziel ist es daher, die Kosten um "einen höheren zweistelligen Millionenbetrag in D-Mark zu senken", sagte Finanzchef Ralf Kogeler. Zugleich werde weiterhin ins Online-Geschäft investiert, wobei Springer in diesem Fall lieber von "Zukunftssicherungen" spricht. Im Mittelpunkt steht das gemeinsam mit T-Online zu realisierende Projekt Bild.de.

Hatte Fischer in den Jahren zuvor viele Pläne rund ums Fernsehgeschäft geschmiedet, war davon in diesem Jahr nur am Rande die Rede. Ein größerer Schwerpunkt liegt hingegen auf Auslandsaktivitäten, und zwar mit Blick auf die Zeitschriften. Laut Konzernabschluss liegt der Umsatzanteil, den Springer im Ausland erwirtschaftet, bei 15 Prozent. Erhöht werden soll dieser Prozentsatz laut Zeitschriftenvorstand Andreas Wiele durch Gründungen und Übernahmen in Europa - und hier insbesondere in Frankreich und in Osteuropa.

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