Wirtschaft : AXEL WEBER

Der Bundesbank-Präsident bleibt der Stabilität verpflichtet

Die Europäische Zentralbank im Blick: Axel Weber. Foto: ddp
Die Europäische Zentralbank im Blick: Axel Weber. Foto: ddpFoto: ddp

Es gab Zeiten in diesem Jahr, da hat sich Bundesbank-Präsident Axel Weber weit aus dem Fenster gelehnt. Was nicht jedem Kollegen im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) gefallen hat. Wenig begeistert war besonders Jean-Claude Trichet, der Chef im Frankfurter Eurotower. Zumindest bis Mai gehörte Weber zu den Herren des Gremiums, die sich als linientreu erwiesen. Im Frühjahr aber fühlte sich der 53-Jährige bemüßigt, seine Stimme nachdrücklich zu erheben. „Der Ankauf von Staatsanleihen birgt erhebliche stabilitätspolitische Risiken“, kritisierte er den gerade gefassten Beschluss des Rates, genau das zu tun. Er sehe das „außerordentlich“ kritisch. Tatsächlich war das Votum eine Wende in der EZB-Politik. Eigentlich darf sie keine Staatsanleihen kaufen, doch nun reagierte sie auf die Krise. Die Bank hat mittlerweile für gut 72 Milliarden Euro Staatsanleihen aus Griechenland, Irland und Portugal gekauft.

Weber zählt zu den Protagonisten der Krise. Euro- Bonds sind ihm ein Graus, sie würden die Eigenverantwortung der Staaten für eine solide Finanzpolitik untergraben, sagt er. Noch bevor der EU-Gipfel einen permanenten Rettungsschirm für Euro-Krisenstaaten beschließt, bringt er die Aufstockung des bisherigen Rettungsfonds von 750 Milliarden Euro ins Gespräch. Weber unterstreicht mit seinen Äußerungen indirekt seinen Anspruch auf den Chefposten im Eurotower. Der wird im November 2011 neu besetzt. Öffentlich hat er sich noch nicht beworben. Regierungen, die auf den Deutschen als Nachfolger von Trichet setzen, wissen aber, woran sie sind: Weber ist ein Geldpolitiker, konsequent der Stabilitätspolitik verpflichtet, Inflation ist sein größter Feind. Verbiegen lassen will er sich nicht. Ob sein Verhalten die Chancen gegen Mario Draghi erhöht, ist fraglich. Der Italiener ist inoffiziell bislang der einzige Mitbewerber. Jean-Claude Juncker, Chef der Euro-Gruppe, hat sich im Frühjahr offen gegen Weber ausgesprochen. Auch die kleinen Euro-Länder sind skeptisch.

Zum Jahresende verbucht Weber Minuspunkte. Das EZB-Programm zum Kauf von Staatsanleihen der Krisenländer wird an den Finanzmärkten gewürdigt. Weber sieht es nach wie vor kritisch, die Hilfen für Griechenland und den Rettungsschirm für die Euro-Krisenstaaten hält er aber für vertretbar. International nicht zum Vorteil gereicht ihm auch, dass die Bankenaufsicht in Deutschland doch nicht allein bei der Bundesbank angesiedelt wird. Und die von Weber kritisch beäugte Finanzaufsicht Bafin wird sogar aufgewertet. Ob es da in seine Planungen passt, als möglicher Nachfolger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gehandelt zu werden? ro

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