Azubis : Die Besten vom Fach

Deutschlands Kammern zeichnen in Berlin 231 „Super-Azubis“ aus. Auch fünf Berliner und fünf Brandenburger schaffen es auf die Bestenliste.

Aline Klett

Berlin - Ein Bergarbeiter aus Styropor, erschöpft und überlebensgroß, ist eines der Werke von Susanne Laurentow. Drei Jahre lang hat sich die 27-Jährige von der Stiftung Oper in Berlin zur Bühnenmalerin und -plastikerin ausbilden lassen. Am Mittwochabend wurde sie im Palais am Funkturm für ihre herausragenden Leistungen geehrt, zusammen mit 230 anderen Top-Absolventen aus ganz Deutschland. „Ich bin ziemlich stolz“, sagte die junge Frau, die mit knallrotem Pulli auch optisch ein Zeichen setzte. „Für meine Bewerbung ist das bestimmt ein Hingucker.“

Zum zweiten Mal zeichnete der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die „Super-Azubis“ des Jahres aus. Auch fünf Berliner und fünf Brandenburger konnten in der Spitzengruppe mithalten, sie alle hatten ihre Abschlussprüfung mindestens mit „sehr gut“ bestanden. Geld gab es dafür von DIHK- Präsident Ludwig Georg Braun und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Mittwoch nicht – dafür aber Pokale, Urkunden und ganz viel Lob.

Über die Platzierung entschied am Ende die Gesamtpunktzahl – häufig ging es um eine Stelle hinter dem Komma. Das Maximum von 100 Punkten erreichte nur ein einziger „Super-Azubi“: Bürokaufmann Tobias Reil aus Nordrhein-Westfalen. Deutschlandweit hatten insgesamt 320 000 junge Leute in diesem Jahr an Abschlussprüfungen teilgenommen. Unter den 231 Bundesbesten waren 79 Frauen.

DIHK-Chef Braun verteidigte in seiner Festrede die duale Ausbildung, forderte aber Strukturreformen. Die Industrie hat das Modell „Dual nach Wahl“ vorgeschlagen. Danach soll es in der Ausbildung künftig zwei Schwerpunkte geben: Zuerst werden grundlegende Qualifikationen zum Berufsbild vermittelt, danach praktische Kenntnisse erworben. Auch Bildungsministerin Schavan plädierte für Verbesserungen. Die Lehrlingsausbildung müsse transparenter, effizienter und flexibler werden, sagte die CDU-Politikerin.

Für Susanne Laurentow, die aus der Nähe von Düsseldorf stammt, ist das nicht mehr entscheidend. Sie will sich jetzt beim Film bewerben und erst einmal Erfahrungen sammeln, um sich dann selbstständig zu machen. Ob die Auszeichnung ihren Weg erleichtert? Da ist sich die Bühnenmalerin nicht so sicher. „Am Ende“, meinte sie, „ist die Qualität der Arbeit entscheidend.“ Aline Klett

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