Wirtschaft : Baan wächst nicht genug - nur um 60 Prozent im Jahr

Die Meßlatte liegt hoch, denn der niederländische Software-Produzent konkurriert mit dem Vorzeige-Unternehmen SAP DÜSSELDORF (hdn/HB).Was Microsoft für die breite Masse der Computerbenutzer leistet, bieten Unternehmen wie der deutsche Marktführer SAP und die niederländische Baan Company für Unternehmen.Die maßgeschneiderten Software-Systeme der Baan erleichtern die Steuerung aller Betriebsabläufe vom Einkauf über die Produktion bis zum Vertrieb."Enterprise Resource Planing" (ERP), so der Fachbegriff, entwickelte sich zu einem sehr lukrativen Geschäft.Kein Wunder, daß der Titel in den vergangenen Monaten häufig auf den Empfehlungslisten der Banken und Broker zu finden war: Nach einer Übersicht der Nachrichtenagentur Bloomberg setzten in den vergangenen Monaten rund 20 Analysten den Wert auf "Kaufen", acht auf "Halten" und nur einer auf "Verkaufen".International orientierte Anleger schätzen den Technologiewert, der bereits drei Jahre nach der Börseneinführung in Amsterdam und an der amerikanischen Nasdaq zum Sprung in den Amsterdamer Standardwerte-Index AEX ansetzt.Einen Knick in der Erfolgsstory erlebte Baan allerdings bei der Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal 1998 Ende April: Erst verschob das Unternehmen die Bilanzpressekonferenz wegen Terminproblemen, dann gab das Unternehmen mit Firmensitzen in Reston, Virginia, USA, und in Putten, Niederlande, einen Reingewinn von lediglich 2,44 Mill.US-Dollar (4,3 Mill.DM) bekannt - gerade mal 0,01 Dollar je Aktie.Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um rund drei Viertel.Der Gewinnsturz wurde mit neuen Rechnungslegungsvorschriften nach einem neuen US-Gesetz begründet.Nach alter Rechnung hätte der Gewinn von Baan nicht zwei Mill., sondern 28 Mill.Dollar betragen und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen, schreibt der Börsendienst der Volksbanken und rät dem langfristig orientierten Anleger zum Kauf.Ruurt van der Torre von ABN Amro beobachtet, daß die Analysten vorsichtiger werden.Er stuft die Aktie trotz der jüngsten Turbulenzen weiterhin auf "Halten" ein.Kritisch sieht van der Torre die Informationspolitik der Firma."Es ist derzeit schwer, ein klares Bild von dem Unternehmen zu bekommen", bemängelt er.Stefan Schießer, Analyst bei der SGZ Bank, hält das Umsatzplus von knapp 60 Prozent zwar für beachtlich.Da der Hauptkonkurrent SAP aber deutlich über 60 Prozent wachse, deute dies darauf hin, daß Baan Marktanteile verliere.Gleichwohl warnt Schießer davor, Technologiewerte aus der Perspektive eines Quartals zu beurteilen.Zwar habe das Unternehmen gegenüber den Investoren in letzter Zeit einen unglücklichen Eindruck gemacht.Ansonsten habe sich aber nicht viel getan.Auf einem Niveau von 80 Gulden sei die Aktie für den langfristig orientierten Investor kaufenswert.Adrian Hopkinson vom WestLB Research sagt, die Konzentration Baans auf Mittelständler vielversprechend sei.Im April habe man den Wert zwar auf "Marketperformer" zurückgestuft, nun hoffe man aber, daß ein Kursrückgang in den nächsten Tagen Gelegenheit biete, den Titel wieder auf "Kauf" zu stellen.

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