Babcock-Borsig : Ex-Chef hat die Insolvenz verschleppt

Der frühere Chef von Babcock Borsig, Klaus-Gerd Lederer, hat am Montag vor dem Duisburger Landgericht den Anklagevorwurf der Insolvenzverschleppung eingeräumt.

Duisburg - Er habe bereits im April 2002 erkannt, dass der Konzern rettungslos überschuldet gewesen sei, sagte der 60-Jährige zu Beginn des Prozesses. Der Insolvenzantrag war jedoch erst im Juli 2002, nach dem Ausscheiden Lederers, gestellt worden. Lederer erklärte weiter, er nehme für sich in Anspruch, „wirtschaftlich sinnvoll“ gehandelt zu haben. „Ich habe aber erkannt, dass das Strafrecht dies unberücksichtigt lässt“, sagte der inzwischen in den USA lebende Angeklagte.

Die Richter hatten dem früheren Spitzen-Manager zuvor zugesichert, im Falle eines Geständnis maximal zwei Jahre Haft und Geld- oder Arbeitsauflagen zu verhängen. Über die Frage der Bewährung könne jedoch erst am Ende der Beweisaufnahme entschieden werden, so die Richter. Die Staatsanwaltschaft wirft Lederer vor, die Insolvenz der Babcock Borsig AG verschleppt zu haben, um zuvor noch unbeschadet aus dem Unternehmen ausscheiden zu können. Der zuständige Insolvenzverwalter Helmut Schmitz bezifferte die anerkannten Gläubigerverbindlichkeiten von Babcock Borsig auf zwei Milliarden Euro.

Die Insolvenz des Oberhausener Maschinenbauers Babcock Borsig war eine der größten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Weltweit 21 000 Mitarbeiter waren betroffen. Babcock musste nach 111 Jahren Unternehmensgeschichte am 4. Juli 2002 Insolvenz anmelden. Als mitentscheidend für das spätere Aus wurde eine Konzernerweiterung im Zuge der Umwandlung des Hannoveraner Industriekonzerns Preussag zum Tourismuskonzern Tui gesehen. Marode Industrieteile wurden samt der Mehrheit an der lukrativen Kieler Werft HDW bei Babcock Borsig angegliedert.

Als der damalige Vorstandschef Lederer die HDW-Anteile an einen US-Investor verkaufte, konnte sich Babcock nicht mehr auf liquide Mittel der Werft stützen. Das hatte Babcock zuvor wohl schon lange getan und damit nach Vorwürfen der Staatsanwaltschaft die Zahlungsunfähigkeit verschleiert. Unter anderem gegen Lederer sowie seinen Aufsichtsratschef und Ex-WestLB-Chef Friedel Neuber und Tui-Chef Michael Frenzel wurden Ermittlungen eingeleitet. Gegen Frenzel wurden die Ermittlungen gegen 750 000 Euro eingestellt. dpa

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