Wirtschaft : Babcock-Mitarbeiter verzichten für Sanierung

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Berlin (fo/Tsp). Die 13 000 Inlandsbeschäftigten des angeschlagenen Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig haben sich zu einem Lohnverzicht von 50 Millionen Euro bereit erklärt. Die Banken hatten diesen Verzicht als Sanierungsbeitrag gefordert. Sie selbst müssen weitere 150 Millionen Euro kurzfristig bereitstellen, um Babcock vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Eine Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen.

Durch die Verschiebung der Lohn-und Gehaltszahlung auf den 3. Juli hat das Management etwas Luft bekommen. Maßgeblich beteiligt sind die beiden Großaktionäre Preussag und Westdeutsche Landesbank (WestLB), die mit Friedel Neuber zudem den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt. Hannelore Elze, IG-Metall-Vertreterin und Mitglied im Aufsichtsrat sagte, dass sich diese beiden Eigner zierten. Preussag, der US-Investor Guy Wyser-Pratte, WestLB, und die Deutsche Bank halten jeweils acht bis neun Prozent.

Die Lage des Konzerns verschärfte sich durch die Kündigung der Lieferantenversicherung am Dienstag. Das heißt, Baustellen des Anlagenbauers werden nicht mehr mit Material beliefert. Am Donnerstag will sich der Aufsichtsrat mit dem Sanierungskonzept des Unternehmensberaters Roland Berger befassen. Der Betriebsrat gab am Dienstag einige Details vorab bekannt. Danach sollen allein in Deutschland zwischen 1000 und 1500 Stellen abgebaut werden, berichtete Konzernbetriebsrats-Vorsitzender Heinz Georg Westfeld. Weltweit solle die Zahl der Mitarbeiter durch Aufgabe und Verkauf von Produktionsstätten um insgesamt 7000 auf 15 000 sinken. Verkauft werden sollen diverse Tochtergesellschaften, unter anderem auch das profitable US-Geschäft. In Deutschland sollen Grundstücksverkäufe Geld in die Kassen bringen.

Die Mitarbeiter schnüren schon zum zweiten Mal ein Hilfspaket zur Rettung ihres Unternehmens. Bereits 1996 konnte die Babcock-Gruppe nur durch Bankenkredite von rund 300 Millionen Euro und einen Lohnverzicht von 50 Millionen Euro vor der Pleite bewahrt werden.

Das jetzt vereinbarte Sparpaket gilt zunächst bis Ende 2003, soll aber bei Bedarf verlängert werden können. Der Löwenanteil der Einsparungen entfällt dabei mit rund 26 Millionen Euro auf den Tarifbereich. Die Arbeitnehmer verzichten auf die jüngste Tariferhöhung von 3,1 Prozent und die Wochenarbeitszeit wird um eine Stunde auf 34 Stunden reduziert. Vereinbart wurden weitere Einsparungen von fünf bis acht Millionen Euro durch Abschläge bei Lohnkosten für Mitarbeiter, die unter den Bau-Tarif fallen.

Weitere 16 Millionen Euro würden durch Vorstände, die Geschäftsführung und leitende Mitarbeiter erbracht, hieß es. Die restlichen fünf bis acht Millionen Euro sollen in sonstigen Bereichen gespart werden.

Gerd Woriescheck, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor, betonte: „Die Arbeitnehmer haben ihren Teil zur Rettung der Babcock Borsig AG beigetragen. Jetzt ist es an den übrigen Beteiligten, den Fortbestand der Gesellschaft zu sichern.“ „Insbesondere die Forderung nach einer Kapitalerhöhung der Anteilseigner führt zu zähen Verhandlungen“, sagte Westfeld, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist.

Westfeld bestätigte auch, dass der Verkauf von 50 Prozent an der Kieler Werft HDW an den US-Investor One Equity Partners nichts gebracht hat. „Wir haben 524 Millionen Euro Schulden bei HDW, der Aktienverkauf bringt nur wenigmehr als diese Summe ein.“ Für die erste Tranche von 25 Prozent hatte Babcock 325 Millionen Euro kassiert. Der Verkauf von HDW stellte die Konzernstrategie auf den Kopf und führte zu heftigem Streit mit dem US-Großaktionär Wyser-Pratte.

Nordrhein-Westfalens rot-grüne Landesregierung sieht zur Zeit keinen Anlass, Hilfen in Aussicht zu stellen. „Es ist nicht der Zeitpunkt, um über eine Bürgschaft zu reden“, sagte Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold (SPD) am Dienstag in Düsseldorf. Gesellschafter und Banken müssten ein tragfähiges Konzept für die Zukunft vorlegen. Erst dann sei abzusehen, „welche Stützungsaktionen von Seiten Dritter notwendig sind“. Bisher sei auch kein Antrag für eine Landesbürgschaft gestellt worden. Zuletzt hatte das Land im Herbst 2001 der in Düsseldorf beheimateten Charterfluggesellschaft LTU eine Bürgschaft gewährt, um sie vor der Insolvenz zu bewahren. Diese Hilfsaktion war aber stark umstritten innerhalb der Regierung.

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