Wirtschaft : Babybrei-Unternehmen: Ein Bayer auf dem Darss

Sabine Platz

Das ist also der Mann mit dem guten Namen. Wenn Claus Hipp in seinem Fernsehspot ins Wohnzimmer strahlt, dann wirkt er wie der besorgte Großvater von nebenan. In "echt" hat der Chef des Babybrei-Unternehmens Hipp, sonnengebräunt und mit Hut, wenig von einem Großvater. Der vitale 61jährige managt einen Lebensmittel-Konzern. Seit über 33 Jahren führt er das Pfaffenhofener Familienunternehmen. In dieser Zeit hat Hipp gelernt, wie man junge Mütter zum Kauf der "Gläschen" bewegt. Die Vermarktungsstrategie des Unternehmens ist voll auf Ökologie ausgerichtet. Das Wort "Bio" wird hier groß geschrieben. Wer ein Hipp-Gläschen kauft, der kann lesen, dass "alle Bio-Zutaten von Bauernhöfen stammen, die streng nach den Richtlinien des biologischen Landbaus arbeiten."

Eine Strategie die funktioniert. Im vergangenen Jahr machte das traditionelle Unternehmen mit rund 1100 Beschäftigten einen Umsatz von 450 Millionen Mark. Mehr als 61 000 Tonnen Babynahrung liefen bei Hipp 1999 vom Band. Für dieses Jahr rechnet Hipp mit einem Zuwachs im zweistelligen Millionenbereich. Damit ist Hipp in Deutschland Marktführer vor Milupa und Alete. Aber biologischer Landbau ist nicht billig. Der Anbau und die penible Kontrolle der Lebensmittelerzeugung mache die Hipp-Produkte um 15 bis 20 Prozent teurer als die der Mitbewerber, so Hipp. Besonders beim Rohstoff Bio-Fleisch müssen strenge Anforderungen erfüllt werden. Um günstiger produzieren zu können, ging Hipp darum vor acht Jahren in die neuen Bundesländer. Auf der Halbinsel Darss in Mecklenburg-Vorpommern wurde der Babybrei-Hersteller fündig. Hier, wo sich die Kühe friedlich auf den Weiden des Nationalsparks langweilen, fand Hipp die richtigen Partner. Die Erzeugergemeinschaft Weidehof, bestehend aus zehn Bauern und Agrargemeinschaften, beliefert seither das Unternehmen mit Schweine- und Rindfleisch. Die Landwirte stellen sicher, dass die Anforderungen an die Fleischqualität auch tatsächlich erfüllt werden. So stammen alle Kälber aus dem eigenen Betrieb, die Tiere werden artgerecht gehalten und gefüttert.

"BSE gibt es bei uns nicht", sagt Christof Kühnlein, Tierarzt und Landwirt. Kühnlein kam 1992 aus Bayern in den hohen Norden und kann sich keinen besseren Ort mehr für seine Bio-Landwirtschaft vorstellen. "Hier ist so viel Platz, da ist kein Bauer nebendran, der mit der Pestizid-Spritze sprüht", schwärmt er. Die teils unberührten Landschaften in Mecklenburg-Vorpommern ermöglichen optimale Bedingungen für den ökologischen Landbau. 20 Prozent der deutschen Öko-Bauern sind bereits in dieser Region ansässig. "Einmal kamen uns die ehemaligen Lieferanten der Firma Hipp besuchen und als die gesehen haben, was wir hier bieten, klappten die ihre Messer ganz schnell wieder ein", erzählt Karl-Heinz Daetz, von der Agrargemeinschaft Zingst. "Wir können einfach bessere Ware liefern als die." Claus Hipp sieht das genauso. "Ich bin sicher, dass wir hier bessere Qualität bekommen, als von irgendwoher sonst", so der Unternehmer. Rund 80 Prozent des gesamten Kalbfleisch bezieht Hipp mittlerweile aus den neuen Ländern, Rindfleisch zu 40 Prozent.

Zurzeit kauft Hipp noch mehr Rohstoffe im Osten Deutschlands ein, als er fertige Produkte dorthin vertreibt. Nur rund 15 Prozent des Babybreis gehen in die neuen Länder. Das soll sich ändern. Und neben einem stärkeren Verkauf in den Osten, hat man in Pfaffenhofen Mittel- und Osteuropa als Markt im Visier. "In Osteuropa haben wir mit unserer Qualität eher eine Alleinstellung. Da sehen wir Chancen." Neben den Produktionsstätten in Bayern und Österreich, hat Hipp darum Werke in Ungarn und der Ukraine eröffnet.

Auch in Hinblick auf den deutschen Markt bleibt Hipp ein Optimist. Trotz sinkender Geburtenrate macht er sich keine Sorgen. "Die Nachfrage nach Bio-Produkten wird auch weiterhin steigen", so Claus Hipp überzeugt. Und der Mann weiß was er sagt, schließlich ist er so etwas wie der Pionier der biologischen Landwirtschaft.

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