Wirtschaft : Bad Business

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Mit Vorfreude war Susanne Maier (Name geändert) nach London gereist. Doch was sie da erwartete, hatte nur wenig mit den Versprechungen aus dem „Linguland“-Sprachreisekatalog zu tun. „Gebucht hatte ich einen Business-Intensivkurs“, erzählt sie, „von den sechs Kursbausteinen hatten aber nur zwei mit Wirtschaftsenglisch zu tun. Der Rest waren irgendwelche Module, in denen es ganz allgemein um Sprechen und Schreiben ging.“ Genau das interessierte Susanne Maier aber nicht, denn sie besaß ja bereits gute Englischkenntnisse. Ihr Business-Englisch konnte die Psychologin dagegen kaum verbessern. „Eine Präsentation halten, mit Geschäftspartner verhandeln – das hatte ich erwartet. Der Kurs war dann aber eine herbe Enttäuschung.“

Was der Reiseveranstalter nicht ahnen konnte: Susanne Maier war im Auftrag der Stiftung Warentest unterwegs. Acht Anbieter von Sprachreisen für Business-Englisch hat die Verbraucherschutzorganisation unter die Lupe genommen. 24 Testpersonen reisten nach Großbritannien, Irland, Nordamerika und auf die Mittelmeerinsel Malta, wo sie zweiwöchige Kurse mit Unterkunft belegten. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur ein Anbieter, „Dr. Steinfels Sprachreisen“, konnte im wichtigsten Prüfungspunkt, dem Sprachunterricht, mit einem „guten“ Ergebnis überzeugen, die sieben Mit-Wettbewerber schwankten zwischen „befriedigend“ und „ausreichend“. Diagnose der Stiftung Warentest: Die Hälfte der Veranstalter hat schlichtweg das Thema verfehlt – in ihren Kursen spielte Berufliches nur eine Nebenrolle.

Verbindliche Standards für den Unterricht in Business-Englisch gibt es nicht. Allerdings zeigte der Testsieger „Dr. Steinfels“, dass solch ein Kurs durchaus Substanz haben kann: Die Dozenten gingen auf die Berufe der Teilnehmer, vom Schweizer Banker bis zum Börsenmakler aus Brasilien, ein. Diskussionen über Globalisierung und Finanzkrise standen genauso auf dem Stundenplan wie kulturelle Besonderheiten und Fragen der Etikette im Geschäftsleben. Die Teilnehmer hielten Präsentationen, analysierten Werbefilme und erstellten Bewerbungen für die USA.

„Bei einigen anderen Anbietern wurden dagegen schon mal Bilder oder Gedichte interpretiert“, berichtet Christina Engel von der Stiftung Warentest. „Natürlich ist es auch mal in Ordnung, über allgemeine Themen zu diskutieren. Aber häufig wird der Bezug zu Wirtschaft und Berufswelt völlig vernachlässigt.“ Manche Sprachschulen würden ihre Schüler „einfach in irgendwelche Kurse stecken“, kritisiert Warentest-Redakteurin Engel. „Teilweise landeten unsere Tester in Kursen mit Langzeitschülern.“ Susanne Maier hat in London die Erfahrung gemacht, dass „gerade in diesen Langzeitkursen Leute sitzen, die an Business-Themen nicht besonders interessiert sind.“

In jedem Fall sollten Sprachreisende vorab auf einen ausführlichen Einstufungstest Wert legen, rät Engel. „Zwischen aktivem und passiven Wortschatz gibt es häufig große Unterschiede. Schreiben und Lesen bekommt man vielleicht ganz gut hin, mit dem Sprechen hapert es aber oft. Da kann es leicht zu einer falschen Einstufung kommen, wenn nur eines von beidem abgeprüft wird.“ Veranstalter wie „Experience“ oder „Carpe Diem“ bieten online „Gratis-Einstufungstests“ an. Diese Multiple-Choice-Fragebögen haben aber nur begrenzte Aussagekraft. „Besser ist ein zusätzlicher mündlicher Test vor Ort“, sagt Engel.

Wer sich über Kosten und Leistungsumfang seiner Sprachreise informieren möchte, wird von den getesteten Anbietern nicht immer gut beraten. Ausgerechnet beim Testsieger „Dr. Steinfels“ verlief ein telefonisches Beratungsgespräch „mangelhaft“: Der Anrufer wurde auf den Katalog verwiesen, den es dann aber nicht einmal als Download auf der Internetseite gab. Generell hätten sich die Tester von den Anbietern eine intensivere Beratung bei den Themen Bildungsurlaub (siehe Kasten) und Visabestimmungen gewünscht: In den USA ist für Business-Englisch-Kurse ab 18 Wochenstunden ein Studentenvisum erforderlich, das 300 Euro Gebühren kostet und sechs bis acht Wochen Bearbeitungszeit benötigt.

Alle acht Reiseveranstalter im Testfeld bieten mehrere Leistungspakete an. Die Preise sind nach Reiseziel, Unterkunft, Verpflegung und Rahmenprogramm gestaffelt. Wer also sparen möchte, kann das an mehreren Ecken tun. „Eine Gelegenheit dazu ist der Transfer vom Flughafen zur Unterkunft“, rät Christina Engel. „Die Taxi-Kosten sind teilweise unglaublich hoch, da werden dann für eine Fahrt vom Flughafen London-Gatwick in die Innenstadt über hundert Pfund (ca. 111 Euro) verlangt.“ Auch den Flug zum Reiseziel könne man selbst buchen, so Engel. „Bei unseren Tests haben wir aber festgestellt, dass die Reiseveranstalter die gleichen Flüge ausgesucht haben wie wir.“

Was man letztlich für sein Geld bekommt, darüber sagen die Paketpreise nur wenig aus: Immerhin rund 2600 Euro kostet ein zweiwöchiger Business-Englisch-Kurs bei Test-Schlusslicht „fee Sprachreisen“ in New York – ohne Flug. Auch vergleichsweise günstige Kurse auf Malta kann die Stiftung nicht empfehlen: Englisch ist dort nur Amtssprache, die Lehrkräfte und Gastfamilien sprechen in der Regel Maltesisch als Muttersprache. Auch kann es im Winter auf der Mittelmeerinsel ungemütlich kalt werden. Heizungen gibt es aber nur in wenigen Unterkünften.

Angesichts mittelmäßiger Testergebnisse könnte man auf die Idee kommen, sich seine Sprachreise selbst zu organisieren: Schließlich bieten fast alle Sprachschulen auf ihren Homepages auch direkte Kursbuchungen ohne den Umweg über Reiseveranstalter an. Von einem solchen Vorgehen rät die Stiftung Warentest jedoch ab. Deutsche Sprachreiseanbieter seien bei Problemen und Reklamationen nach wie vor der beste Ansprechpartner, betont Christina Engel. „Nachträgliche Minderungen des Reisepreises lassen sich an deutschen Gerichten leichter durchsetzen.“ Noch besser wäre allerdings, wenn die Kunden erst gar keinen Grund zur Klage hätten. Dafür muss sich die Qualität der Wirtschaftsenglisch-Sprachreisen aber deutlich steigern.

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