Wirtschaft : Bäckermeister auf Reisen

Der CSU-Politiker Ernst Hinsken wirbt im Regierungsauftrag für den Tourismus – die Vogelgrippe macht ihn nicht nervös

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), hat keinen eigenen Dienstwagen, eine bescheidene Ausstattung und zwei tüchtige Mitarbeiterinnen, die aus dem Ministerium seines Parteifreundes Michael Glos, dem Bundeswirtschaftsminister, rekrutiert wurden. Und Hinsken hat eine Mission: Er soll Deutschland als Reiseland stärken, „sowohl beim Incoming als auch beim Outgoing“, wie er am Freitag bei der Bilanz der ersten 100 Amtstage in Berlin sagte. Der gelernte Bäckermeister, der einen kurzen Dienstweg zum gelernten Müllermeister Glos hat, versteht sich dabei auf Hemdsärmeliges: „Ich will Deutschland mit neuen Schüben versehen.“

Dass Deutschland gerade von den Schüben der Vogelgrippe heimgesucht wird, die die Tourismusregionen an der Ostsee besonders treffen könnten, bringt Hinsken nicht aus der Ruhe. „Es handelt sich um eine Tierseuche, Auswirkungen auf den Tourismus sind bisher noch nicht abzusehen“, sagte er. Es solle keine Hysterie ausbrechen. Im Falle von katastrophalen Schäden als Folge einer Pandemie könnten die Betroffenen jedoch mit Hilfen von Ländern und Bund rechnen.

Hinsken verwandte einige Zeit darauf, seine bescheidenen Arbeitsmittel hervorzuheben und die zuletzt häufiger gestellte Frage nach der Sinnhaftigkeit seiner Tätigkeit zu beantworten. Schließlich hatte noch keine Bundesregierung einen eigenen Beauftragten für den Tourismus. Und immerhin sieht der Finanzplan des Wirtschaftsministers einen Etat von 27,4 Millionen Euro für die Tourismusförderung vor. Davon werden rund 25 Millionen Euro an die Deutsche Zentrale für Tourismus weitergereicht, die im Regierungsauftrag für das Reiseland Deutschland wirbt.

Der CSU-Politiker aus dem bayerischen Straubing verwies also auf andere Länder, die auch einen Beauftragten haben, und auf die Bedeutung der Branche. 2,8 Millionen Beschäftigte zähle die Tourismuswirtschaft. 300 000 Jobs könnten in den kommenden zehn Jahren hinzukommen. Mit 40 Millionen Auslandsreisen seien die Deutschen zudem Exportweltmeister. „Tourismus ist die Leitökonomie der Zukunft“, glaubt Hinsken, und sein Amt sei „kein Luxusjob für einen Parteispezl“.

Deutschland ist schön, findet der Regierungsbeauftragte, nur müsse sich das stärker in der Welt herumsprechen. Und hier fangen die Probleme in Zeiten von Vogelgrippe, Terrorgefahr und Servicewüste an. Das „Verhältnis Incoming-Outgoing stimmt nicht“, sagte Hinsken. Kurzum, es kommen zu wenige Touristen nach Deutschland. Während unsereins bei Reisen ins Ausland 58 Milliarden Euro ausgebe, seien es nur 22 Milliarden Euro, die Touristen in Deutschland lassen. „Das möchte ich gerne zugunsten der Einnahmeseite verbessern“, kündigte Hinsken an. In allen Fragen des Tourismus will er Ansprechpartner sein – auch für die Kunden. Zuerst freilich hat er „30 Top-Leute“ aus Unternehmen und Verbänden eingeladen. Mindestens zwei Mal jährlich soll ein Tourismusbeirat tagen. „Das wird kein Bastelclub“, versicherte Hinsken. Was der Beirat tun soll, ist noch unklar. Dass die Runde hart am Thema arbeiten wird, ist aber wohl selbstverständlich. „Ich bin nicht der Edel-Tourist der Regierung, der in der Welt herumreist“, betonte Hinsken.

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