Wirtschaft : "Bäumchen-Wechsel-Dich" bei BMW

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN (AP)

MÜNCHEN .Er gilt als "Graue Eminenz" und rechte Hand der Großaktionärsfamilie Quandt bei der Bayerische Motoren Werke (BMW) AG, München.23 Jahre lang stand Eberhard von Kuenheim als Vorstandschef an der Spitze des Automobilkonzerns.Seit 1993 zieht er als Aufsichtsratsvorsitzender in München die Fäden.Der gebürtige Ostpreuße personifiziert wie kein anderer den Aufstieg der weiß-blauen Luxusmarke in den letzten Jahrzehnten.

Die jüngsten Turbulenzen um den BMW-Vorstandswechsel haben jedoch das Image des Erfolgsmenschen angekratzt."Das war keine Meisterleistung," wettert der Münchner Bezirksleiter der IG Metall, Werner Neugebauer, über die Rolle von Kuenheims beim spektakulären Austausch der BMW-Führungsriege.Es sei "Wahnsinn", im Aufsichtsrat eine derartige Polarisierung wie er zu betreiben, urteilt der Gewerkschafter, der in das Gremium einziehen will.Wie andere Beobachter, die sich jedoch nicht zitieren lassen, macht Neugebauer den erfahrenen Manager für die immer noch schwer rekonstruierbaren Vorgänge um die denkwürdige BMW-Aufsichtsratssitzung vom 5.Februar verantwortlich.Sogar leitende BMW-Angestellte werten das Krisenmanagement ihres obersten Aufsehers als "unglaublich seltsam" oder "ausgesprochen unglücklich".

Als weitgehend gesichert gilt, daß der ehemalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder wegen Versäumnissen bei der Sanierung der hochdefizitären BMW-Tochter Rover mehr oder weniger freiwillig zurückgetreten ist.Weit unklarer ist Reitzles Schicksal.Einer gängigen Darstellung zufolge wollte von Kuenheim ihn zum neuen BMW-Chef machen.Im Aufsicht hätten sich aber die Belegschaftsvertreter dagegen gestemmt.Gegen das Votum der Mitarbeiter habe Reitzle weder BMW-Chef werden können, noch sich mit der Rolle der Nummer zwei im Konzern begnügen wollen und sei deshalb zurückgetreten.Falls diese Version stimmt, hat der einstige Souverän von Kuenheim BMW sehenden Auges in eine Führungskrise gesteuert und zuvor ferner die stückweise Demontage Pischetsrieders zugelassen.Demnach mußte nach dessen Rücktritt und der gescheiterten Inthronisierung Reitzles mit Joachim Milberg ein neuer BMW-Chef aus dem Hut gezaubert werden.

Es scheint, als habe der 70jährige von Kuenheim die Übersicht verloren.Der gescheiterte Pischetsrieder galt als sein Ziehsohn, den er 1993 dem damals als kommenden BMW-Chef geltenden Reitzle vorgezogen hat.Es heißt, Reitzle habe mit einem Wechsel zu Porsche geliebäugelt und sei deshalb durch von Kuenheim zurückgestuft worden.Offiziell bestätigt ist aber auch das nicht.Glaubt man an Vorbehalte des Ostpreußen gegen Reitzle, erscheint der angebliche Versuch von Kuenheims, ihn zum neuen BMW-Chef zu machen, fragwürdig.Verstärkt werden diese Bedenken durch das Gerücht, daß der bei BMW bestimmenden Familie Quandt der private Lebensstil Reitzles ein Dorn im Auge war.Reitzles Tage bei BMW seien gezählt gewesen, sein Ausscheiden habe ohnehin 1999 angestanden, sagen Insider.Damit hätte sich von Kuenheim mit einer Berufung Reitzles gegen den Willen des BMW-Großaktionärs gestellt, was als ausgeschlossen gelten muß.

Nicht völlig von der Hand zu weisen ist deshalb die ebenfalls im Hause BMW gehandelte Variante, daß Milberg der eigentliche Kandidat von Kuenheims gewesen sei.Dieser habe sich aus Loyalität gegenüber Pischetsrieder bis zuletzt geziert, das Steuer zu übernehmen.Es gibt sogar Vermutungen, Reitzle habe sein Ausscheiden bei BMW selbst provoziert, um problemlos in die Führungsspitze des US-Autokonzern Ford wechseln zu können.Ein solcher Sprung wird ihm derzeit nachgesagt.Das würde von Kuenheims Rolle beim Umbau des BMW-Vorstands in positiverem Licht erscheinen lassen.In weiten Teilen der BMW-Belegschaft und des Managements wird Milberg jedenfalls als der richtige Mann und nicht als aus der Not geborener Übergangskandidat geschätzt.

Doch die Verwirrung bei BMW hat längst auch die Konkurrenz auf den Plan gerufen.Der Volkswagenkonzern hat laut "Spiegel" einen neuen Anlauf zu einer Beteiligung bei BMW gemacht.VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch habe die Londoner Investmentbank Morgan Stanley beauftragt, Modelle für eine Beteiligung auszuarbeiten.Angeblich sollen BMW und die VW-Tochter Audi nach einem Aktientausch eine wechselseitige Kapitalbeteiligung von bis zu 24,9 Prozent erreichen.Weil BMW-Aktien deutlich teurer sind als Audi-Anteile, würde VW einen Ausgleich an BMW zahlen.Außerdem würde VW die verlustbringende Rover-Personenwagenproduktion übernehmen.

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