Bahn-Affäre : Mehdorn und das „Management by Salami“

Bahnchef Mehdorn weht ein zunehmend schärferer Wind entgegen: Parlamentarier verschiedener Fraktionen kritisieren das Verhalten des Konzerns in der Daten-Affäre.

Carsten Brönstrup

BerlinBerlin - Dass der Mann diesen Satz sagen würde, war klar. „Hartmut Mehdorn wusste von nichts, das sagt er, und das glaube ich ihm auch.“ Otto Wiesheu, der für den Chef der Deutschen Bahn die Kontakte zu Politikern pflegt, blickt mit versteinerter Miene in die Kameras. Jetzt nur kein falsches Wort, jeden Satz wägt der Oberbayer aus der CSU genau. „Mehdorn war 1998 noch gar nicht im Konzern, als das erste Mitarbeiter-Screening durchgeführt wurde“, beteuert er schmallippig. Und nachdem er 1999 Vorstandsvorsitzender geworden sei, habe ihn „wahrscheinlich“ niemand über die Methoden informiert, mit denen die Bahn der Korruption nachspürt.

Es geht um viel an diesem Tag, das weiß Wiesheu, es geht um Mehdorns Kopf. Am Dienstag hatte die Bahn in einem Bericht eingeräumt, insgesamt fünfmal die Daten ihrer Mitarbeiter überprüft zu haben. Zudem habe man Detektive beauftragt, dabei sei es womöglich zu Straftaten und Datenschutzverletzungen gekommen. Und das bei einem Unternehmen, das zu hundert Prozent dem Bund gehört. Am Mittwoch mussten Wiesheu, der Antikorruptionsbeauftragte Wolfgang Schaupensteiner und der Chef der Konzernsicherheit, Jens Puls, zu der Affäre vor dem Bundestags-Verkehrsausschuss aussagen.

Für die Bahn ist das ein schwieriges Terrain, die meisten Abgeordneten haben mit Mehdorn noch mindestens ein Hühnchen zu rupfen. Als „sogenannte Verkehrsexperten“ hatte er sie einst verspottet, und von ihren Wählern müssen sie sich ständig fragen lassen, wann endlich einmal jemand dem Manager in die Parade fährt. Zudem kommen in der Datenaffäre die Details nur scheibchenweise ans Licht – „Management by Salami“, ätzt der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich.

Entsprechend fallen die Urteile der Parlamentarier aus, egal aus welcher Fraktion. Es sei „inakzeptabel“, sagte der CDU-Verkehrspolitiker Dirk Fischer, dass ausgerechnet Josef Bähr nicht vor dem Ausschuss erschienen sei – der Mann, der seit Jahren die 100 Leute zählende Konzernrevision leitet, die die Ermittlungen durchführte. Am Dienstag hatte er um seine Beurlaubung gebeten – „weil er sich nicht selbst belasten wollte“, wirbt Wiesheu um Verständnis. Doch damit kann er an diesem Tag nicht rechnen. „Ein verantwortlicher Vorstand muss wissen, was da passiert“, sagte der SPD-Experte Uwe Beckmeyer mit Blick auf Mehdorn – dem ist Bähr direkt unterstellt. Beide Manager sollen im März vor dem Ausschuss erscheinen.

Denn die Abgeordneten beklagen, sie wüssten nicht genug über die Affäre, trotz des Berichts vom Dienstag. „Die Bahn ist nicht wirklich bereit aufzuklären, wir kommen nicht weiter“, befand Winfried Hermann von den Grünen. Zu den Vorgängen, die in die Zeit zwischen 1998 und 2007 fallen, könnten die Bahn-Vertreter nichts sagen. Hans-Peter Friedrich, Vizechef der Unionsfraktion, sagte, zwei heutige Vorstände müssten über die Fahndungsmethoden Bescheid wissen: Margret Suckale und Norbert Bensel. Sie hätten bis 2007 einem Lenkungskreis zur Korruptionsbekämpfung angehört. Bei der Bahn bestreitet man jedoch zumindest, das Bensel diesem Kreis angehört habe. Carsten Brönstrup

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