Wirtschaft : Bahn AG: Die Wettbewerber des Unternehmens sind an Interregio-Strecken interessiert

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Auf den überregionalen Streckenverbindungen der Bahn ist spätestens im Sommer mit regem Wettbewerb zu rechnen. Wie ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Freitag dieser Zeitung sagte, stünden eine ganze Reihe Wettbewerber der bundeseigenen Bahn AG in den Startlöchern, um sich für den Betrieb von ehemaligen Interregio-Strecken zu bewerben. Der Sprecher betonte, dass mittlerweile "einige Unternehmen" in Deutschland über das nötige Potenzial verfügten, überregionale Verbindungen zu bedienen.

Bahn-AG-Chef Hartmut Mehdorn hatte am Donnerstag bestätigt, dass sich das Unternehmen bis 2004 aus Strecken zurückziehen will, die nicht rentabel zu betreiben seien. Dazu zählten vor allem Interregio-Verbindungen, die zu jährlichen Verlusten von rund 300 Millionen Mark bei der Bahn AG führten. Bereits mit dem Sommerfahrplan 2001 (ab Juni) werden rund 13 Millionen Zugkilometer von der Bahn AG nicht mehr befahren. Allein die Connex AG, mit rund zwei Prozent Marktanteil der bedeutendeste Wettbewerber er Bahn AG, führt nach Angaben von Geschäftsführer Günther Zobel intensive Gespräche mit den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Auch mit Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern werde über den Betrieb der Strecke Berlin-Rostock gesprochen.

Connex, ein Unternehmen der französischen Vivendi-Gruppe, erwartet im Sommer erste Ausschreibungen der Länder. Dabei werde sich erweisen, sagte Zobel dem Tagesspiegel, welche Strecken subventionsfrei befahren werden könnten, und wo die Länder Zuschüsse aus dem Nahverkehrsbudget zur Verfügung stellen müssten. "Es wird erstmals zu einem Wettbewerb der Phantasien kommen", sagte auch der Connex-Manager Hans Leister, bis vor kurzem noch Regionalbahnchef der Bahn AG.

Die Unternehmen fürchten allerdings, dass die sich Bahn AG ungerechtfertigte Marktvorteile verschaffen will. Durch die angekündigte Schließung der Interregio-Verbindungen würden bis 2004 rund 2400 Waggons und Züge der Bahn nicht mehr benötigt. Statt sie Wettbewerbern zum Kauf anzubieten, sagte Zeisel, gäbe es Signale, dass die Bahn die Waggons "verschrotten oder im Ausland verkaufen will".

Die Bundesregierung hat die Bahn AG am Freitag aufgefordert, den geplanten drastischen Abbau des Fernverkehrs zu erläutern. Der Sprecher des Verkehrsministeriums, Felix Stenschke, sagte, inzwischen sei man an "Tartarenmeldungen" gewöhnt. Auch wenn Zahlen über Streichung jedes fünften Zugkilometers im Fernverkehr aus internen Papieren stammten und kein beschlossenes Konzept seien, gebe es "für uns dringenden Diskussionsbedarf".

Als "absolut falschen Weg" kritisierte die Gewerkschaft Transnet den Abbau des Interregio-Angebots. Verkehrsexperten erwarteten in den nächsten 15 Jahren ein Wachstum von 20 Prozent im Personenverkehr und von 64 Prozent im Güterverkehr, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen. Er forderte die Bahn auf, den Interregio offensiv in den Regionen zu bewerben und sich aus diesem Bereich des Schienenverkehrs nicht zurückzuziehen.

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