Wirtschaft : Bahn AG: Gute Nachrichten von der Bahn

Margarita Chiari

Kaum zu fassen: Es gibt auch positive Meldungen von der Deutschen Bahn. Gut 1,7 Milliarden Menschen, mehr als je zuvor, haben im vergangenen Jahr die Angebote auf der Schiene genutzt, und sie sind im Durchschnitt auch weitere Strecken gefahren. Bahnchef Hartmut Mehdorn kann sich über ein kräftiges Umsatzplus vor allem im Fernverkehr freuen, andere werden sich verwundert die Augen reiben. Waren denn all die Warnungen über drohende Milliardenverluste, die der Vorstand in den vergangenen Monaten selbst verbreitete, nichts als Lug und Trug? Sind die Deutschen, trotz aller Klagen über Verspätungen, überfüllte Züge und unübersichtliche Tarife, eben doch leidenschaftliche, unbeirrbare Bahnfahrer? Vieles spricht dafür, dass die Hiobsbotschaften ein wenig übertrieben waren - ihr Ziel haben sie erreicht: Erstmals wird die Bundesregierung die bei der Bahnreform gegebenen Investitionszusagen nun wenigstens annähernd erfüllen. Am Nachholbedarf hat sich nichts geändert. Ohne Beseitigung der Langsamfahrstellen im Netz, ohne Modernisierung der veralteten Güter- und Regionalzüge hat die Bahn im Wettbewerb gegen andere Verkehrsträger auf Dauer keine Chance. Und das Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu locken, wird Illusion bleiben. Doch auch die Bahn wird sich anstrengen müssen, mehr Reisende sind noch lange kein Beweis für guten Service. Man kann den Spieß auch umdrehen: Wieviele Menschen wären im vergangenen Jahr wohl umgestiegen, wenn die Züge weniger überfüllt, die Verspätungen weniger drastisch und die Anschlüsse bequemer zu erreichen gewesen wären?

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