Wirtschaft : Bahn-Aufsichtsrat stärkt Mehdorn den Rücken

Gremium stützt Engagement in Hamburg / Verhandlungen mit Hansestadt werden fortgesetzt / Geschäft läuft besser als erwartet

Carsten Brönstrup

Berlin - Bahnchef Hartmut Mehdorn hat vom Aufsichtsrat Rückendeckung für seine Expansionspläne bekommen. Das Kontrollgremium forderte den Vorstand am Mittwoch in Berlin auf, mit der Stadt Hamburg weiter über eine „stufenweise Beteiligung“ an dem Nahverkehrsunternehmen Hamburger Hochbahn sowie an der Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) zu verhandeln. Zur Frage eines Wechsels des Konzerns von Berlin nach Hamburg erklärte Aufsichtsratschef Werner Müller, „Umzugsfragen, die sich stellen, werden erst am Ende des gesamten Bewertungsprozesses entschieden“.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte der Bahn angeboten, bei den beiden Unternehmen Hochbahn und HHLA einzusteigen. Im Gegenzug solle die Zentrale des bundeseigenen Unternehmens nach von Beusts Willen mit mehr als 1000 Mitarbeitern von der Spree an die Elbe umziehen. Dieser Vorstoß hatte den Berliner Senat und die Bundesregierung verärgert. Das Kabinett hatte einen Umzug aus „strukturpolitischen Gründen“ abgelehnt, den Einstieg der Bahn in Hamburg aber sinnvoll genannt. Die Haltung der Regierung hierzu sei unverändert, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums gestern. Am Donnerstag wollen Merkel und Mehdorn zusammentreffen, um über die Strategie der Bahn zu beraten.

Von einem Umzug der Konzernzentrale ist in der Bahn-Mitteilung zur Aufsichtsratssitzung allerdings nicht mehr die Rede. Aufsichtsrat Müller erklärte, bei der Kooperation mit Hamburg müsse man „im engen Dialog mit dem Eigentümer zu einer sinnvollen Lösung“ kommen. Der Vorstand solle das Angebot mit dem Hamburger Senat in Ruhe aushandeln. Mehdorn hatte gesagt, eine Entscheidung werde es nicht vor Ende März 2006 geben. Hamburgs Bürgermeister von Beust, der weiterhin auf einen Umzug der gesamten Zentrale besteht, sagte am Mittwoch, er sehe sich „nicht im Zugzwang“, man stehe noch am Anfang der Gespräche. Verhandelt werde über das Paket, das der Stadt angeboten worden sei, ergänzte ein Senatssprecher – also die Beteiligung der Bahn bei den Hamburger Unternehmen, sofern die Bahn umziehe. Ob als Kompromiss nur die Logistiksparte der Bahn aus Essen, Mainz und Berlin in Hamburg konzentriert werden könne, wollte der Sprecher nicht sagen. Es gebe neben der Bahn „mehr als einen weiteren Interessenten“ für eine Beteiligung bei Hochbahn und HHLA, unterstrich er.

Derweil steuert die Bahn in diesem Jahr auf einen Gewinn zu, der höher ausfallen wird als geplant. Das vorgesehene Betriebsergebnis nach Zinsen von 400 Millionen Euro werde „sicher erreicht“, erklärte die Bahn. Mehdorn selber hatte vor wenigen Tagen gesagt, der Gewinn werde sich auf mehr als 500 Millionen Euro verdoppeln und der Umsatz auf mehr als 25 Milliarden Euro ansteigen. Der Gewinn verbleibt nach Angaben des Verkehrsministeriums im Unternehmen, wo er zum Schuldenabbau und zu Investitionen genutzt werden soll. Aufsichtsratschef Müller befand, das Unternehmen sei „gut auf Kurs und gut unterwegs in Richtung Kapitalmarktfähigkeit“.

Zur positiven Entwicklung beigetragen hätten in diesem Jahr in erster Linie die Transport- und Logistiksparte Schenker sowie der Personenverkehr. Hier werde der Fernverkehr voraussichtlich noch in diesem Jahr in die Gewinnzone zurückkehren, kündigte Mehdorn an. Wegen der missglückten Preisreform und der Wirtschaftskrise war der Fernverkehr tief in die roten Zahlen gerutscht. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres benutzten 1,5 Milliarden Menschen die Bahn, das sei ein Plus von rund 50 Millionen, hieß es.

Probleme hat die Bahn 2005 dagegen weiterhin im Schienengüterverkehr. Hier sei der Verfall der Margen noch nicht vollständig kompensiert worden, hieß es. Zu schaffen machen dem Unternehmen die Konkurrenz der Straße und von anderen Bahn-Gütertransporteuren. Allein in diesem Jahr sank der Marktanteil der Sparte Railion von 90 auf rund 85 Prozent.

Für die kommenden Jahre plant die Bahn einen weiteren Anstieg ihres Gewinns. 2006 solle sich der Überschuss auf eine Milliarde Euro verdoppeln, erfuhr diese Zeitung. Mehdorn zufolge soll dann bereits die Kapitalmarktfähigkeit erreicht sein – einen Börsengang bedeute dies aber nicht automatisch, hatte er vor kurzem gesagt.

Aus der Opposition kam Kritik an den Zahlen der Bahn. „Die Bahn hat Ende 2004 ihre Planung massiv nach unten korrigiert, um 2005 eine Planerfüllung präsentieren zu können“, sagte Horst Friedrich, verkehrspolitischer Sprecher der FDP. Die Vorgaben aus dem Gutachten der Investmentbank Morgan Stanley zum Börsengang sowie die Zahlen aus der ursprünglichen Planung der Bahn würden „meilenweit verfehlt“.

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