Wirtschaft : Bahn bestellt neue Züge für Milliarden

Siemens soll neue IC-Generation liefern – und mehr Qualität versprechen

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Dauerlauf. Mehr als ein Jahr hat Bahn-Chef Grube mit Siemens verhandelt. Foto: Heinrich
Dauerlauf. Mehr als ein Jahr hat Bahn-Chef Grube mit Siemens verhandelt. Foto: Heinrich

Berlin - Die Deutsche Bahn und Siemens haben eine Einigung in den Verhandlungen um einen milliardenschweren Zugauftrag erzielt. Das erfuhr der Tagesspiegel am Donnerstag aus Kreisen, die mit der Materie vertraut sind. Anfang der Woche haben sich Bahn-Chef Rüdiger Grube und der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher demnach auf die noch strittigen Fragen geeinigt. Dabei geht es um die Nachfolgezüge für die betagte IC-Flotte des Staatskonzerns.

Eine Siemens-Sprecherin erklärte nur, man sei bei den Verhandlungen „auf gutem Weg“. Ein Bahn-Sprecher sagte, man sei „in der finalen Phase der Abstimmung“. Für Gründonnerstag ist allerdings eine außerordentliche Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats angesetzt. Dabei soll das Gremium den Kauf der sogenannten ICX-Züge absegnen. Siemens-Papiere reduzierten als Reaktion an der Börse ihre Verluste auf 0,6 Prozent.

Die Bahn will nach früheren Angaben Grubes 220 Züge für 5,5 Milliarden Euro kaufen. Später stockt sie die Bestellung womöglich auf 300 Stück auf. Die Züge sollen frühestens ab 2015 die ICs ersetzen, die zum Teil älter als 40 Jahre sind. Perspektivisch ist der ICX auch der Nachfolger für ICE 1 und ICE 2 – er wird also das neue Rückgrat des Fernverkehrs. Schon jetzt ist es die größte Bestellung, die die Bahn je abgegeben hat.

Siemens ist zwar seit Januar 2010 der einzige Bieter, die Verhandlungen über den Auftrag hatten sich aber seitdem hingezogen. Das Geschäft markiert eine Zäsur im Verhältnis zwischen Bahn und Industrie. Unter dem Eindruck zuletzt zahlreicher Zugpannen fordern die Manager des Staatskonzerns eine wesentlich bessere Qualität als in der Vergangenheit. „Wir haben keine Baureihe, die problemlos läuft“, hatte sich kürzlich ein einflussreicher Manager beschwert. Im Fernverkehr gibt es große Probleme mit den Achsen der ICEs, die Züge müssen wesentlich häufiger in die Werkstatt als geplant und fehlen im Betrieb. Selbst fabrikneue Regionalzüge erwiesen sich als extrem pannenanfällig.

Beim ICX hat die Bahn nun enger als früher den Konstruktionsprozess überwacht. Außerdem hat es sich umfangreiche Garantien über Zuverlässigkeit und Betriebskosten geben lassen. Denn der Aufwand etwa für den Kauf neuer ICE-Achsen belastet den Gewinn im Fernverkehr auf Jahre. Liegen die Betriebskosten zukünftig höher als vereinbart, fallen Strafen an. Zahlen will die Bahn zudem erst bei Abnahme der Züge – früher hatte sie die Produktion zum Teil vorfinanziert.

Der ICX ist eine völlige Neukonstruktion. Die Bahn ist der erste Betreiber weltweit, der ihn einsetzen wird. Die Bahn hat von Siemens überdies größtmögliche Variabilität verlangt – bei Zuglänge, Ausstattung und Antriebsleistung. Die ersten Exemplare sollen maximal Tempo 230 schaffen, spätere Exemplare, die die alten ICEs ersetzen, sollen maximal Tempo 280 erreichen. Carsten Brönstrup

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