Bahn-Datenaffäre : Mehdorn soll von Massenabgleich gewusst haben

Schon einmal sah es so aus, als könnte der Abgleich von Mitarbeiterdaten Bahn-Chef Mehdorn den Job kosten. Doch mit einer Entschuldigung zog er den Kopf im letzten Moment aus der Schlinge. Nun aber gibt es neue Vorwürfe gegen den Manager - er soll gelogen haben.

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Hartmut Mehdorn -Foto: dpa

BerlinBahn-Chef Hartmut Mehdorn ist laut Mitarbeitern der Konzernrevision "wiederholt" über die Spitzelaufträge an die Firma Network Deutschland GmbH informiert worden. Das gehe aus einem Schreiben vom 5. Februar hervor, berichtet die "Welt am Sonntag“. In dem Brief an Mitglieder des Verkehrsausschusses des Bundestags beklagen sich die Mitarbeiter demnach darüber, dass Bahn-Konzernrevisionschef Josef Bähr die "gesamte Revision in Misskredit" gebracht habe. Die Konzernrevision sei disziplinarisch direkt dem Vorstandsvorsitzenden Mehdorn unterstellt.

Mehdorn selbst behauptet bislang, nichts von den Datenabgleichen der Belegschaft gewusst zu haben. In den Spähaktionen wurden in den vergangenen zehn Jahren praktisch alle 240.000 Mitarbeiter des staatseigenen Unternehmens durchleuchtet - ohne konkreten Verdacht und ohne deren Wissen. Die Bahn betont, sie habe damit Korruption aufdecken beziehungsweise vorbeugen wollen.

Die Mitarbeiter kritisieren dem Bericht zufolge, dass die Konzernrevision "in mehreren sehr konkreten Verdachtsfällen weitere interne Ermittlungen gestoppt hat, weil hochrangige Mitarbeiter unseres Unternehmens im Visier waren". Zudem seien "hohe Rechnungen" bezahlt worden, "obwohl ihnen in zahlreichen Fällen keine adäquate Gegenleistung gegenüberstand". Mehrfach sei von Aufträgen an die Detektei Network "wegen schlechter Qualität abgeraten" worden.

Es könnte wieder eng werden

Falls sich herausstellt, dass Mehdorn tatsächlich über die Aktionen der Konzernrevision informiert war, könnte es erneut eng für ihn werden. "Falls die Untersuchung ergibt, dass der Vorstand informiert war, dass Mitarbeiter ohne deren Wissen und konkreten Verdacht überprüft wurden, muss der gesamte Vorstand abtreten", sagte der Chef der Bahngewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, der "Welt Online".

Bereits in der vergangenen Woche hatten die Arbeitnehmervertreter Mehdorn gedroht, der Aufsichtsrat werde ihn fallen lassen, wenn er sich nicht für das Ausspähen der Mitarbeiter entschuldige. Dieser Forderung war der Bahn-Chef im Zuge einer Sitzung mit dem Konzernbetriebsrats nachgekommen. (sf/ddp/AFP)

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