Wirtschaft : Bahn fahren - das große Abenteuer (Kommentar)

Heike Jahberg

Was hatte die Bahn nicht alles versprochen: Auf die Minute pünktlich sollten die Züge in die Bahnhöfe einrollen, mit eigens installierten Pünktlichkeitsanzeigern wollte Bahn-Chef Ludewig seinen Kollegen Dampf machen. Daraus wurde nichts. Statt Pünktlichkeitsrekorde zu vermelden, weisen die blauen Tafeln einen Verspätungstag nach dem nächsten aus.

Chaos auch bei den Preisen. Was jeder Bahnreisende schon vorher wusste, hat ihm jetzt die Stiftung Warentest auch wissenschaftlich bestätigt: Auf die Auskünfte des Personals kann man sich nicht verlassen. Die Mängelliste ist lang: Fast alle Fahrkarten sind überteuert, ihre eigenen Sonderangebote kennen die Damen und Herren Bahner nicht, und auch die günstigsten Strecken weist der Reservierungscomputer nur in den seltensten Fällen aus.

Geübte Bahnfahrer haben aus dem Schlamassel schon längst ihre Konsequenzen gezogen. Wer regelmäßig mit der Bahn unterwegs ist, verlässt sich nicht auf die Auskünfte des Servicepersonals und rechnet Verspätungen gleich mit ein. Das ist blankes Überlebenstraining und sagt alles über das "Unternehmen Zukunft" aus.

Die Bahn gelobt Besserung. Doch den oft gehörten Worten müssen jetzt Taten folgen. Denn mit der Nachschulung ihrer Servicekräfte und einer Modernisierung der EDV ist die Sache nicht getan. Eine klares, einfaches Preissystem, das weder die Berater noch die Kunden überfordert, eine übersichtliche Auflistung der Sonderangebote und der Abschied von den umsatzabhängigen Provisionen, die Ticket-Verkäufer förmlich dazu aufrufen, die günstigeren Sondertarife zu ignorieren, wären ein erster Schritt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Bahnkunden würde es freuen. Besonders verwöhnt sind sie schließlich nicht.

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