Wirtschaft : Bahn fordert mehr Markt

Staatskonzern sieht Wettbewerb in Gefahr.

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Berlin - Im Schienen-Regionalverkehr könnte es in Zukunft weniger Wettbewerb geben. Davor warnt die Deutsche Bahn, mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent noch immer das mit Abstand dominierende Unternehmen in diesem Markt. Womöglich gebe es für neu ausgeschriebene Strecken bald „nur einen oder gar keinen Bewerber“ mehr, sagt Frank Sennhenn, Chef der Sparte DB Regio, dem Tagesspiegel. Dies schade der Branche.

Bislang haben sich auf Strecken, die Länder und Verkehrsverbünde ausschreiben, oft drei oder mehr Unternehmen beworben. Wer den Zuschlag bekommt, darf meist rund zehn Jahre exklusiv Züge betreiben und bekommt dafür Zuschüsse. Bis Frühjahr 2013 wird aber für ein Drittel aller deutschen Regionalstrecken ein neuer Betreiber gesucht – diese Flut von Ausschreibungen könnte aus der Sicht Sennhenns die Konkurrenz überfordern. „Je schneller die Probleme gelöst werden, desto intensiver wird der Wettbewerb um die neuen Strecken“, rät er.

Die Probleme sieht Sennhenn aufseiten der Verkehrsverbünde – deren Ausschreibungen seien oft kompliziert und aufwendig. Sich auf eine Strecke oder ein Netz zu bewerben, könne Millionen kosten, sagte Sennhenn – und das ohne Erfolgsgarantie. Erlahmender Wettbewerb könnte auch Nachteile für die pro Tag fünf Millionen Kunden im Regionalverkehr bedeuten, sie müssten womöglich mit weniger Qualität vorliebnehmen.

Hinter dem Appell des Bahn-Managers steht offenbar die Sorge, ein Mangel an Wettbewerb könne dazu führen, dass die Regulierungsbehörden eingreifen, um mehr Konkurrenz zu entfachen. „Wenn der Markt nicht richtig funktioniert, wirkt sich das auf alle Marktteilnehmer nicht vorteilhaft aus“, befindet er. Dabei denke er vor allem an „nicht marktgerechte Regulierungsmaßnahmen“.

Die Ausschreibungen müssten einheitlicher werden, fordert Sennhenn daher – er hofft auf weniger Aufwand für alle. Überdies müsse es möglich werden, Strecken ganz ohne Ausschreibung direkt an einen Anbieter zu vergeben. Dies verbieten derzeit noch Gesetze und Gerichte.

Dennoch müssen die Verbünde damit rechnen, dass Zugverkehr teurer wird. „Die Zeiten, in denen Ausschreibungen für um 20 Prozent niedrigere Preise sorgen, sind vorbei. Die Preise gehen nicht immer nur nach unten“, sagte der Manager. Würden die Bundeszuschüsse für den Bahnverkehr in den kommenden Jahren nicht spürbar angehoben, „kann das Zugangebot womöglich nicht so intensiv bleiben wie bislang“. Carsten Brönstrup

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