Wirtschaft : Bahn frei für den Börsengang (Kommentar)

Drohungen allenthalben. Die Eisenbahnergewerkschaft will den Wochenendverkehr lahm legen; die Bahn schreckt vor Entlassungen nicht zurück. Das sagen sie. Gewerkschaften und Unternehmen wissen zugleich, wie unpopulär das eine wie das andere wäre. Die Bahn steht an einem Krisenpunkt auf dem dornigen Weg vom Kombinat zum börsennotierten Unternehmen. Von den Eisenbahnern wird viel verlangt. Sie hatten Ruhe erwartet, weil ihnen schon genug Besitzstände genommen wurden. Sie ignorieren, dass ihre Arbeitskosten für die Bahn immer noch jenseits aller Wettwerbsfähigkeit liegen. Der Fortgang der Bahnreform wird zur politischen Frage. Die Beschäftigten sollten die Krise nicht alleine ausbaden. Jetzt kommt der Shareholder - der Bund - in Verdrückung. Denn es war ein sozialdemokratischer Bundeskanzler - Gerhard Schröder -, der einen unternehmerischen Manager - Hartmut Mehdorn - an die Spitze der Bahn hievte. Verfolgt diese Koalition nicht neben ihren geldwerten Privatisierungsabsichten zugleich verkehrspolitische Ziele? Das muss auf lange Sicht freilich kein Widerspruch sein. Denn die Bürger kaufen Fahrkarten oder Aktien nur von einer Bahn, die auch wettbewerbsfähig ist.

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