Wirtschaft : Bahn führt Prämien für Vielfahrer ein

Freifahrten und Gratis-Essen für Bahncard-Besitzer

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Deutsche Bahn bietet ihren 3,2 Millionen Stammkunden ein neues Bonusprogramm. Ab dem 1. September sollen Bahncard-Besitzer für jeden Euro, den sie für eine Fahrkarte mit Bahncard- Ermäßigung ausgeben, einen Bonuspunkt bekommen. Ab 750 Bonuspunkten soll es Prämien geben. Konzernchef Hartmut Mehdorn erklärte, damit werde die Bahncard attraktiver. Der Fahrgastverband Pro Bahn befand, ein solches Programm sei „überfällig“ gewesen.

Wer in dem „Bahn-Bonus“-Programm 750 Punkte sammelt, werde einen Verzehrgutschein für den Speisewagen bekommen, teilte die Bahn mit. Ab 1000 Punkten dürfen Fahrgäste von der zweiten in die erste Klasse wechseln, sich ein Länder-Ticket aussuchen oder für 15 Euro im Zug essen oder trinken. Für 1500 Punkte und mehr gibt es eine einfache Freifahrt, ein Schönes-Wochenende-Ticket oder Verzehrgutscheine für 25 Euro. Sammler von bis zu 2000 Punkten dürfen eine Strecke gratis hin- und zurückfahren, eine einfache Fahrt in der ersten Klasse unternehmen oder für 40 Euro speisen. Ab 2500 Punkten steigt der Bonus auf eine freie Hin- und Rückfahrt in der ersten Klasse, auf 60 Euro für Essen und Trinken oder auf eine Tageskarte, mit der beliebig viele und weite Fahrten innerhalb von 24 Stunden möglich sind.

Eingelöst werden können die Punkte ab Dezember. Sie bleiben drei Jahre gültig. Anmeldungen für die Aktion sind ab dem 22. August möglich, bereits dafür werden 250 Punkte gutgeschrieben. „Wir erreichen mit unserem Prämienprogramm so viele Menschen wie kaum ein anderes Unternehmen“, sagte Mehdorn. Bislang besitzen 1,4 Millionen Menschen eine Bahncard mit 25 Prozent Nachlass, 1,6 Millionen verfügen über eine Karte mit 50 Prozent Rabatt. Hinzu kommen 17000 Jahresnetzkarten. Zum Vergleich: Die Lufthansa führt für die Rabattkarte „Miles&More“ 4,5 Millionen Kunden.

Die Bahn hatte bislang zwar ein Bonusprogramm im Angebot, der Nutzen für die Fahrgäste war allerdings gering: Sie bekamen ab 2000 Punkten kostenlose Reservierungen oder durften in den großen Bahnhöfen Warteräume für Stammkunden benutzen. Dieses System soll nach Bahn-Angaben weiterhin gelten.

„Viele andere Dienstleister bieten längst Rabattkarten an, da war die der Bahn überfällig“, sagte Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Der Wert der Rabatte sei allerdings gering. Trotz dieser Vergünstigungen hält er Preiserhöhungen für möglich. „Energie ist teuer, die Bahn muss reagieren. Vielleicht bereitet sie damit die Tarifsteigerungen vor“, vermutete er. Ohnehin werde ab Dezember der Mitfahrerrabatt bei den Bahncards verloren gehen. „Das entwertet die Karten erheblich“, sagte Naumann.

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