Wirtschaft : Bahn geht mit Lufthansa in die Luft

FRANKFURT (MAIN) (oe).Die Lufthansa und die Deutsche Bahn wollen sich gemeinsam bemühen, den innerdeutschen Flugverkehr auf Dauer so gut wie überflüssig zu machen."Wir wollen Entlastung dort schaffen, wo ein verbessertes Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn vollwertig unsere Dienste übernehmen kann", sagte Lufthansa-Chef Jürgen Weber bei der Unterzeichung eines Kooperationsabkommens beider Verkehrsunternehmen am Montag in Frankfurt (Main).Erleichtert werde dies schon, wenn im kommenden Sommer der neue ICE-Bahnhof am Frankfurter Flughafen in Betrieb gehe.Spätestens nach Fertigstellung der ICE-Strecke zwischen Frankfurt und Köln im Jahr 2001 sollen dann immer mehr Fluggäste auf den Zug umsteigen.

Dabei sollen sie gegenüber den heutigen Passagieren keine Nachteile haben, sondern ebenso ihr Gepäck bereits am Bahnhof einchecken können, mit einem gemeinsamen Ticket zum Frankfurter Flughafen fahren und auch die Bordkarten für einen Weiterflug bereits beim Einsteigen in den Zug bekommen.Hier gebe es noch einige technische Probleme zu klären, doch habe man schon mit ersten Testversuchen begonnen, sagte Bahn-Chef Johannes Ludewig.So können schon seit Mitte Juni Lufthansa-Passagiere aus Saarbrücken die neuen Angebote in Anspruch nehmen, von September an können Fluggäste auch in Köln, Bonn, Nürnberg und Würzburg bereits am Bahnhof einchecken."Wenn die Bahn zeitlich mit den Inlandsflügen mithalten kann, dann werden die Kunden bereit sein, auf die Schiene umzusteigen", sagte Lufthansa-Chef Weber.Durch die Fahrzeit von nur noch einer Stunde zwischen Köln und Frankfurt werde dieses Ziel mit der neuen ICE-Strecke zwischen den beiden Ballungszentren erreicht.Auch für die Verbindungen von Stuttgart und Nürnberg nach Frankfurt hält Weber den Umstieg auf die Schiene für möglich.Das würde nach Lufthansa-Schätzungen bedeuten, daß rund 1,5 Millionen Passagiere pro Jahr auf die Bahn umsteigen würden.Ob später auch weitere Strecken, etwa von und nach Berlin durch die neuen Hochgeschwindigkeitsverbindungen, vom Flugzeug auf die Schiene umgestellt werden können, müsse man abwarten."Die Musik spielt ja erst richtig ab 2001", sagte Ludewig.

Bis dahin wollen die beiden Partner gemeinsam mit der Frankfurter Flughafen AG (FAG) die technischen Einzelheiten klären.So müsse man dafür sorgen, daß das Umladen des Gepäcks vom Zug aufs Flugzeug genauso reibungslos klappe wie bisher von Flugzeug zu Flugzeug, sagte FAG-Chef Wilhelm Bender.Weber betonte, daß durch die Streichung von Inlandsflügen das Kapazitätsproblem des Frankfurter Flughafen nur aufgeschoben, nicht aber aufgehoben werde.Wenn im nächsten Jahrtausend ein Teil der Lufthansa-Inlandsflüge von Frankfurt aus gestrichen würden, dann würde dies gerade ausreichen, um den erwarteten Zuwachs im Flugverkehr auszugleichen.

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