Bahn-Gewerkschaften : Transnet wirft den Lokführern Machthunger vor

Der Konflikt zwischen den Gewerkschaften der Deutschen Bahn eskaliert zunehmend. Transnet-Chef Hansen hat sich auf die Seite der Bahn geschlagen und die Lokführergewerkschaft zu einem Ende des Tarifkonflikts aufgerufen. Sie betreibe Machtpolitik innerhalb des Konzerns.

Transnet Hansen
Transnet-Chef Norbert Hansen stellt sich gegen die Lokführer-Gewerkschaft GDL. -Foto: dpa

Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft Transnet der konkurrierende Lokführergewerkschaft GDL reine Machtpolitik vorgeworfen und sie zum Einlenken aufgerufen. Die GDL vertrete keine tarifpolitische Interessen, sondern wolle sich lediglich mehr Macht im Bahn-Konzern verschaffen, sagte Transnet-Vorsitzender Norbert Hansen bei einem außerordentlichen Gewerkschaftstag seiner Organisation.

An die Adresse von GDL-Chef Manfred Schell sagte Hansen vor den knapp 300 Delegierten: "Beende diesen unsinnigen organisations-egoistischen Konflikt." Die Transnet sei weiterhin bereit, mit der GDL eine Verhandlungsgemeinschaft zu bilden. Der erste Schritt dazu müsse aber von der GDL kommen, sagte Hansen unter Beifall der Delegierten. Er gehe davon aus, dass die GDL letztendlich den von Transnet und GDBA bereits ausgehandelten Tarifvertrag ebenfalls unterschreiben werde.

Transnet und GDBA hatten mit der Bahn eine Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent zum 1. Januar 2008 und eine Einmalzahlung von 600 Euro vereinbart. Die GDL will diesen Vertrag nicht übernehmen und verlangt für Lokführer und Zugbegleiter je nach Berufserfahrung mehr als 20 Prozent Einkommensplus. Zur Durchsetzung dieser Forderung hatte die GDL erst am Dienstag erneut mit Warnstreiks den Bahnverkehr massiv beeinträchtigt.

GDL stehe rechtlich im Abseits

Transnet-Tarifexperte Alexander Kirchner machte vor den Delegierten klar, dass die von Transnet mit der Bahn vereinbarte Einkommenserhöhung nicht für die GDL-Mitglieder gelte. Da die GDL auf einen eigenen Tarifvertrag poche und noch keinen abgeschlossen habe, gelte hier der bisherige Vertrag weiter. Er bezeichnete die Warnstreiks der Lokomotivführer zudem als unzulässig. Grund: Die GDL erhebe Forderungen, die Tarifverträge betreffen, die von der GDL noch gar nicht gekündigt worden seien.

Sollte die Bahn bei den Verhandlungen der GDL ein besseres Angebot als der Transnet anbieten, will die Transnet den eigenen Abschluss wieder in Frage stellen. Für einen solchen Fall sei im Vertrag eine Ausstiegsklausel vorgesehen, sagte Kirchner. Dies sei ein normales Verfahren. Dann wären erneute Arbeitskampfmaßnahmen möglich. An diesem Freitag wollen GDL und Bahn verhandeln.

Transnet gegen Zerschlagung der Bahn

Bei dem Gewerkschaftstag bekräftigte die Transnet zudem, dass die Bahn bei einer Privatisierung ein integrierter Konzern bleiben müsse. "Eine Zerschlagung des Konzerns würde tausende Arbeitsplätze gefährden", sagte Hansen. Zudem dürfe nur eine Minderheit des Konzerns privatisiert werden. "Der Bund muss die Führung und die Mehrheitsbeteiligung behalten."

Vor dem Gewerkschaftstag hatte rund ein Dutzend von Bahnmitarbeitern grundsätzlich gegen jede Privatisierung demonstriert. "Dividende dividiert die Bahn. Nein zum Börsengang", hieß es in einem Flugblatt. (mit dpa)

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