Wirtschaft : Bahn gibt Expansionspläne für Fernbusse auf

Staatskonzern scheut Investitionsrisiken – dabei wollte er eigentlich der wichtigste Spieler in dem neuen Markt werden

von
Endstation. Bus-Tickets dürften deutlich billiger sein als Zug-Fahrscheine. Foto: dpa
Endstation. Bus-Tickets dürften deutlich billiger sein als Zug-Fahrscheine. Foto: dpaFoto: DB Systel GmbH

Berlin - Die Deutsche Bahn gibt den Plan auf, ihr Geschäft mit Fernbuslinien auszubauen. Das Unternehmen wolle „keine unnötigen Risiken“ eingehen, erklärte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Freitag in Berlin. Der Staatskonzern befürchtet demnach große Schwankungen in dem Segment. Die deutschen Busunternehmen reagierten erstaunt, sehen aber trotz des Rückzugs der Bahn gute Chancen im Fernbusmarkt.

Man nehme vorerst Abstand von millionenschweren Investitionen in einen Ausbau der Bus-Sparte, teilte die Bahn mit. Das ist überraschend, weil die Bahn kürzlich angekündigt hatte, massiv in das Geschäftsfeld zu investieren. Die Bundesregierung plant, den Fernverkehr mit Bussen freizugeben, schon bald soll ein Gesetzesentwurf dazu das Kabinett passieren. Bislang fahren bis auf wenige Ausnahmen Fernbusse nur auf Strecken, wo es keine Zugverbindungen gibt, hier ist der Staatskonzern Marktführer. Grund ist ein Gesetz aus dem Jahr 1931, das Buslinien in Konkurrenz zur Eisenbahn verbietet. Es gibt auch Fernbuslinien von und nach Berlin, das zu Mauerzeiten von den Beschränkungen ausgenommen wurde.

Homburg begründete den Rückzieher mit den großen Unwägbarkeiten in dem Markt. Deshalb werde es kein Engagement über das bestehende Regional- und Fernbusgeschäft hinaus geben. „Wir werden die Marktentwicklung weiter beobachten und unsere Geschäftsaktivitäten danach ausrichten“, kündigte er an. Die Bahn betreibt selbst rund 13 000 Busse, rund 9000 Menschen beschäftigt der Konzern in dem Bereich. Der Gewinn ging allerdings zuletzt zurück.

Die Branche rechnet damit, dass das Preisniveau auf dem Fernbusmarkt etwas unter dem der Eisenbahn liegen wird. Umstritten ist, ob dies die Schiene Marktanteile kosten wird oder ob angesichts der billigeren Tickets ganz neue Kundengruppen erschlossen werden.

Aus Sicht des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer zeigt die Entscheidung, dass auch ein Konzern von der Größe der Bahn den entstehenden Markt nicht als „Gelddruckmaschine“ sehe. Dennoch: „Mit der Kompetenz und Erfahrung der Unternehmer vor Ort lassen sich sinnvolle Strecken identifizieren und dem Kunden zu attraktiven Preisen anbieten.“

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) befand dagegen, der Verzicht der Bahn sei ein Indiz für die Fragwürdigkeit der Regierungspläne. Die Gefahr sei, dass die Fernbuslinien nicht dauerhaft eingerichtet würden. „Zum Schluss fährt auf entsprechenden Strecken weder die Bahn noch der Fernbus - und Reisende wie Beschäftigte schauen in die Röhre“, sagte Gewerkschaftsvorstand Rainer Bieck. Carsten Brönstrup

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben