Wirtschaft : Bahn gibt nach – der Speisewagen bleibt

Umbau in normale Waggons wird gestoppt / Bahncard-Besitzer können ab Dezember gratis U-Bahn und Bus fahren

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Berlin (brö). Die Deutsche Bahn will die Speisewagen in ihren Zügen nun doch nicht abschaffen. Das Unternehmen werde den Umbau in Großraum und Abteilwaggons stoppen, kündigte Bahn-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch in Berlin an. Dies gehört zu einem Bündel von Maßnahmen, mit denen die Bahn den Service verbessern will. Neu ist auch die Möglichkeit für Bahncard-Besitzer, vor und nach einer Reise kostenlos mit U-Bahn oder Bus fahren zu können. Verspätet sich ein Zug, will die Bahn zudem anhand verbindlicher Regeln Schadenersatz zahlen.

Vor einem Jahr hatte die Bahn angekündigt, sich sukzessive von den Speisewagen zu trennen. Als Grund führte sie deren mangelnde Rentabilität an – ein normaler Sitz bringe mehr Geld ein als ein nur sporadisch besetzter Platz im Zug-Restaurant, argumentierte sie. Statt dessen sollte wie in Flugzeugen das Essen am normalen Sitzplatz serviert werden. Gegen dieses Konzept, das die Bahn bislang nur in ICE-3-Zügen eingeführt hat, hatten Fahrgäste scharf protestiert.

Dies habe die Bahn nun zu einer Kurskorrektur bewogen. „Wir haben damals den emotionalen Wert der Speisewagen anders bewertet als unsere Kunden“, räumte Bahn-Vorstand Rausch ein. In Zukunft setze der Staatskonzern für die Bewirtung einerseits auf die bekannten 170 Speisewagen und andererseits auf so genannte Bistros. Nur in der ersten Klasse solle es weiterhin die Bedienung am Platz geben. Der bislang erfolgte Umbau der ICE-3-Züge werde aber nicht wieder rückgängig gemacht, sagte Rausch. In den dort vorhandenen Bistros würden die Fahrgäste in Zukunft wie im Speisewagen bedient. Die Bahn wolle noch verschiedene Gastronomiekonzepte testen und das Angebot in den Speisewagen „attraktiver machen“.

Rausch, der nach den Protesten gegen das neue Preissystem im Juni Chef der Personenverkehrssparte geworden war, will außerdem für die Fahrgäste eine „Servicekette von Haus zu Haus“ aufbauen, wie er sagte. Dazu gehöre auch die Möglichkeit für Bahncard-Besitzer, ab dem 14. Dezember in 44 Großstädten kostenlos den Nahverkehr nutzen zu dürfen. Dies gilt im Rahmen des Reiseantritts für die Fahrt vom und zum Bahnhof. In Berlin sei etwa die Fahrt in der Tarifzone A künftig im Ticketpreis inbegriffen. Voraussetzung solle indes sein, dass der Kunde einen Fernverkehrs-Fahrschein besitzt und sein Reiseziel mindestens hundert Kilometer entfernt liegt. Rausch sagte, die Bahn wolle das so genannte City-Ticket auf alle Städte mit mehr als 120000 Einwohnern ausweiten. Noch liefen aber die Verhandlungen mit mehreren Nahverkehrsgesellschaften. „Das City-Ticket soll die Bahncard attraktiver machen“, nannte Rausch als Ziel der Maßnahme.

Für Fahrgäste, deren Fernverkehrs-Zug ausfällt oder Verspätung hat, soll es außerdem in Zukunft verbindliche Schadenersatz-Regeln geben. Bislang waren Passagiere fast ausschließlich auf die Kulanz der Bahn angewiesen, wenn ihnen durch Verschulden der Bahn ein Schaden entstanden war. Ende September wolle man die Details der neuen Regeln bekannt geben, sagte Rausch. Als Ausgleich will die Bahn eine Hotelübernachtung oder eine Taxifahrt bezahlen oder dem Kunden den Fahrpreis zurückerstatten.

Zu einem möglichen Gang der Bahn an die Börse sagte Konzernchef Hartmut Mehdorn, es sei unwahrscheinlich, dass die Anteilsscheine des Unternehmens zu einer Art „Volksaktie“ würden. Eher werde ein Teil der Bahn an institutionelle Anleger verkauft. Zuvor müsse die Bahn aber erst börsenfähig werden. „2003 ist unser Schicksalsjahr“, befand Mehdorn. Er bekräftigte, dass der Konzern 2004 schwarze Zahlen schreiben und diese anschließend „nachhaltig absichern“ wolle. Gleichwohl müsse die Bahn in den kommenden 15 Jahren rund 60 Milliarden Euro in die Erhaltung des Schienennetzes sowie in neue Strecken und Züge investieren. Ein Feld, von dem sich die Bahn Wachstum verspreche und in dem sie sich stärker engagieren wolle, sei der Stadtverkehr. „Immer mehr Kommunen im In- und Ausland werden gezwungen sein, ihren Nahverkehr zu privatisieren – da wollen wir dabei sein“, erklärte Mehdorn.

In diesen Städten gilt das City-Ticket:

www.bahn-net.de/medienworkshop/mw_2003/th_p_servicekette.pdf

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