Wirtschaft : Bahn kauft Stinnes für 2,5 Milliarden Euro

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Berlin (brö). Die Deutsche Bahn AG will den Logistik-Konzern Stinnes AG übernehmen und sich damit zu einem Logistikdienstleister entwickeln. Einen entsprechenden Plan des Vorstands genehmigte der Aufsichtsrat des Staatsunternehmens am Mittwoch in Berlin. „Stinnes passt perfekt zu unserer Frachtsparte und schließt die Logistikkette bis in die Lagerhallen unserer Kunden“, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn. Den Stinnes-Aktionären will die Bahn das Unternehmen für 32,75 Euro je Aktie abkaufen. Das bedeutet eine Prämie von 24,5 Prozent, verglichen mit dem Kurs vom vergangenen Donnerstag. Die Bahn will sich die Übernahme 2,5 Milliarden Euro kosten lassen. Die Stinnes-Aktie, die im M-Dax notiert ist, legte am Mittwoch in einem schwachen Markt um fast neun Prozent zu.

Mehdorn bezeichnte den Stinnes-Kauf als „entscheidende Weichenstellung für die Bahn im 21. Jahrhundert“. Damit könne man den Kunden eine komplette Transportkette anbieten, auch im europäischen Ausland. Stinnes ist mit der Tochter Schenker der führende Anbieter beim Landtransport in Europa vor der Deutschen-Post-Tochter Danzas. Der Aufbau einer eigenen Logistikkette mit direktem Kundenzugang hätte Mehdorn zufolge zuviel Zeit und Kraft gekostet. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Bahn ihre Güterzüge besser auslasten könne. Bislang kämpft die Bahn bei ihrer Gütersparte mit großen Problemen. Viele Unternehmen lassen ihre Waren und Rohstoffe lieber über die Straße transportieren, weil sie dies für billiger, schneller und zuverlässiger halten.

Bundeskartellamt muss zustimmen

Der neue Konzern wird 253 000 Beschäftigte haben und fast 28 Milliarden Euro umsetzen. Die n Stinnes und Schenker sollen nach Angaben der Bahn erhalten bleiben und in die Konzernsparte DB Cargo integriert werden. Allerdings will sich die Bahn von der Chemie- und von der Werkstoffsparte trennen. Schenker gehörte bereits bis 1991 zur Bahn, wurde dann aber an Stinnes verkauft. Aus Sicht von Mehdorn war dies ein Fehler. Man erwerbe Schenker jetzt unter dem Stinnes-Dach aber besser aufgestellt zurück. Finanzieren will die mit sieben Milliarden Euro verschuldete Bahn das Vorhaben mit 600 Millionen Euro aus der Kasse und mit der Ausgabe neuer Anleihen. Zudem verspricht sie sich eine Refinanzierung durch den Verkauf der Randbereiche.

Derzeit hält der Essener Energiekonzern Eon mit 65,4 Prozent noch die Mehrheit an Stinnes. Der Rest der Papiere befindet sich im Streubesitz. Der Eon-Aufsichtsrat hat der Abgabe der Stinnes-Beteiligung an die Deutsche Bahn bereits am Mittwochabend zugestimmt. Die beiden Unternehmen haben hierzu eine vertragliche Vereinbarung unterzeichnet. Eon strebt schon lange danach, Sparten abzustoßen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Für die Beteiligung würde Eon nach eigenen Angaben einen Erlös von 1,6 Milliarden Euro und einen Buchgewinn von rund 600 Millionen Euro erzielen.

Ein Übernahmeangebot an die freien Aktionäre werde voraussichtlich im August erfolgen, teilte die Bahn mit. Die Transaktion soll den Planungen zufolge Ende September 2002 abgeschlossen sein. Die Bahn benötigt für den Abschluss allerdings noch die Genehmigung des Bundeskartellamtes.

Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) begrüßte die Entscheidung. Die Bahn ist zu hundert Prozent im Staatsbesitz. Ihr Sanierungskurs werde durch diese Strategie untermauert, sagte er. Auch die Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet sprach von einem sinnvollen Kauf. Die Bahn könne jetzt „ganz neue Angebote auf den Weg bringen“ und mehr Marktanteile gewinnen, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen.

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