Wirtschaft : Bahn: Konkurrenten auf der Schiene werden gestärkt

Die Bundesregierung hat der privaten Konkurrenz der Deutschen Bahn (DB) auf der Schiene faire Wettbewerbsbedingungen zugesichert. Wenn künftig der Verdacht einer Diskriminierung beim Zugang zum DB-Schienennetz bestehe, könne das Eisenbahn-Bundesamt auch ohne Antrag eines Betroffenen tätig werden, sagte Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) am Freitag in Bonn nach einem Gespräch mit dem "Netzwerk Privatbahnen". Im Rahmen der beabsichtigten Novellierung des Eisenbahngesetzes werde auch die Wettbewerbsaufsicht verstärkt.

Die Deutsche Bahn bestätigte indes, dass sie im Personennahverkehr in diesem Jahr einen kräftigen Gewinneinbruch verzeichnen und voraussichtlich in etwa ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften wird. Eine Bahn-Sprecherin bestätigte entsprechende Aussagen des für den Personenverkehr zuständigen Vorstandsmitglieds Christoph Franz, die in der "Financial Times Deutschland" wiedergegeben waren. "Wir werden voraussichtlich auf eine Null kommen", sagte Franz, nachdem der Nahverkehr im Jahr zuvor einen Betriebsgewinn von 185 Millionen Euro erzielt hatte. Der Umsatz im gesamten Personenverkehr werde 2000 um 8,5 Prozent steigen, im kommenden Jahr aber voraussichtlich sinken. Die Preise im Personenverkehr sollten "unter dem Strich" nicht steigen.

Franz machte unter anderem die zögerliche Auslieferung neuer Züge durch die Industrie mit für die Ertragsprobleme verantwortlich. Auch drastisch höhere Ölpreise hätten sich negativ ausgewirkt. Schließlich habe der Bahnverkehr zur Weltausstellung "Expo" nach Hannover zwar den Umsatz erhöht, doch nicht in dem erwarteten Ausmaß.

Im Nahverkehr sieht sich die Deutsche Bahn mit ihrer Sparte DB Regio einem zunehmendem Wettbewerb mit Konkurrenten ausgesetzt. Um ihre Ertragskraft und Wettbewerbskraft zu steigern, müsse die Bahn die Kosten senken. Dies sei auch im Personalbereich und über die Ausgliederung von Strecken nötig, sagte Franz. Hinzu komme ein hoher Modernisierungsbedarf bei den Nahverkehrszügen, die im Durchschnitt 21,5 Jahre alt seien.

Der deutsch-niederländische Bahnfrachtkonzern Railion geht mit der dänischen Güter-Bahn DSB Gods zusammen und fasst damit Fuß auf dem skandinavischen Markt. Wie die Deutsche Bahn als größter Railion-Anteilseigner am Freitag mitteilte, soll DSB Gods Anfang kommenden Jahres in das Gemeinschaftsunternehmen aufgenommen werden. Dem Zusammenschluss müsse noch die Mehrheit der zumeist beamteten Beschäftigten von DSB Gods zustimmen; sonst werde das Vorhaben scheitern und die Frachtsparte abgespalten.

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