Wirtschaft : Bahn-Konkurrenz verspätet sich

Berliner Unternehmen Locomore Rail will erst 2011 gegen den Staatskonzern antreten – vorerst aber nur zwischen Hamburg und Köln

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Berlin - Die Deutsche Bahn wird erst 2011 nennenswerte Konkurrenz im Fernverkehr bekommen. Das Berliner Unternehmen Locomore Rail verschob seinen Start auf der Strecke Köln–Hamburg um ein halbes Jahr von Mitte August 2010 auf April 2011. Als Grund gab es Konflikte bei der Nutzung von Trassen an. Locomore-Züge von Berlin aus werde es frühestens 2012 geben, sagte Geschäftsführer Derek Ladewig am Freitag dieser Zeitung.

Locomore will täglich drei Züge zwischen Köln und Hamburg fahren lassen. Auch die französische Staatsbahn SNCF hatte ab 2011 ein Angebot auf dieser Strecke geplant – zur selben Tageszeit. Damit konkurrierte sie mit Locomore um die freien Kapazitäten auf den Gleisen. Da die aus Straßburg kommenden SNCF-Züge eine längere Laufstrecke fahren sollten, hätten sie Vorrang gehabt. Am Donnerstag verabschiedeten sich die Franzosen aber von ihren Deutschland-Plänen.

Locomore hofft, die nun freien Trassen zugeteilt zu bekommen. Die Bahn-Sparte DB Netz verwaltet die Schienenstrecken, beaufsichtigt von der Bundesnetzagentur. „Wir hatten bis heute keine Planungssicherheit und haben ein halbes Jahr verloren“, sagte Ladewig. Einziger Konkurrent der Bahn im Fernverkehr bleibt damit vorerst der Interconnex-Zug des französischen Anbieters Veolia zwischen Leipzig, Berlin und Rostock.

In der Branche gibt es Zweifel an der Darstellung von Locomore. „Den Zuschlag ab August hatten sie ja“, sagte ein Insider. Womöglich habe die Firma Probleme, die Züge zu finanzieren. Sie sind teuer, zudem ist unsicher, ob sich das Angebot zwischen Hamburg und Köln rechnen wird – womöglich antwortet die Bahn mit Kampfpreisen auf die Attacke.

Locomore plant billigere Tickets als der Staatskonzern –  die Bahn nimmt 29 Euro für das günstigste Ticket. Auch der Service soll besser sein. Finanzier ist der US-Investor Railroad Development Corporation. Die weiteren geplanten Strecken – Frankfurt am Main-Köln-Berlin und Stuttgart-Frankfurt-Hamburg – werde es „nicht vor 2012“ geben, erklärte Ladewig. Der Zeitplan sei zu eng. „Wir haben erst einmal andere Prioritäten.“

Derweil wurde bekannt, wie groß die Qualitätsprobleme des Fast-Monopolisten Deutsche Bahn im Winter waren. Pro Tag fielen im Schnitt 114 Züge ganz oder teilweise aus, vor allem im Fernverkehr. Dies geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf die Anfrage einiger SPD-Abgeordneten hervor. Aufgrund „witterungsbedingter Einflüsse“ fielen demnach allein im ICE- und IC-Verkehr zwischen Dezember und Februar täglich rund 30 Züge aus. Das waren dreimal so viel wie im Winter 2008/2009 und sogar sechsmal so viel wie 2007/2008. Die Bahn hatte im Fernverkehr zuletzt mit mehreren Problemen zu kämpfen – die Kälte setzte den empfindlichen ICE-Zügen zu, außerdem mussten einige Baureihen wegen Achsproblemen häufiger in die Werkstätten. Im Regionalverkehr gab es dagegen nicht mehr Einschränkungen als in den vergangenen fünf Wintern auch: Im Schnitt fielen pro Tag 39 Züge ganz und 45 Züge teilweise aus. Carsten Brönstrup

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