Bahn : Loks laufen gut

Lastwagen verkaufen sich derzeit schlecht, Autos sowieso. Während die Absatzkrise alles zu erfassen scheint, was Räder hat, wird ein Produkt weltweit nachgefragt: Lokomotiven.

Hannes Heine
243116_0_ffeaff18.jpeg
Vossloh-Diesellok. Das Kieler Werk ist gut ausgelastet. Foto: ddp

Berlin - Lastwagen verkaufen sich derzeit schlecht, Autos sowieso. Während die Absatzkrise alles zu erfassen scheint, was Räder hat, wird ein Produkt weiterhin weltweit nachgefragt: Lokomotiven. Dafür sprechen sowohl die aktuellen Zahlen des Weltkonzerns Bombardier Transportation als auch die des deutschen Herstellers Vossloh.

Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation hat seinen Umsatz in den Monaten August bis Oktober 2008 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um umgerechnet rund 310 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro weltweit steigern können. Inzwischen hat das Unternehmen zwar mit einem leichten Auftragsrückgang zu kämpfen. „Die Krise macht sich bei uns aber bisher nur wenig bemerkbar“, sagte Sprecher Heiner Spannuth in Berlin, wo der Geschäftsbereich Transportation des kanadischen Bombardier- Konzerns seine Zentrale hat. Grund dafür sei, dass die Lieferfristen oft bis zu zwei Jahre betragen. Besonders gut laufe das Geschäft mit Elektroloks. In Hennigsdorf bei Berlin beschäftigt Bombardier 1700 Mitarbeiter – dort werden vor allem Züge für den Nahverkehr hergestellt.

Auch beim Verkehrstechnikspezialisten Vossloh ist man trotz Krise sehr zufrieden. Vor allem in Skandinavien sind die Loks von Vossloh derzeit so beliebt, dass die Bahnbauer aus dem Sauerland expandieren: nicht nur im wachstumsstarken Asien, sondern auch in Europa. Für 2008 strebt Vossloh einen Umsatz von knapp 1,2 Milliarden Euro an, 2010 sollen es schon bis zu 1,4 Milliarden Euro sein. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll bis 2010 von 135 auf 151 Millionen Euro wachsen. Vorstandschef Werner Andree kündigte am Donnerstag „deutlich höhere Investitionen“ an – etwa bei Dieselloks, die in Kiel hergestellt werden. Vossloh profitiert von der Renaissance der Schiene und erhofft sich durch spezialisierte Modelle höheren Absatz: Das neueste Modell, die dieselbetriebene Rangierlok G6, ist anders als die Lokomotiven der Konkurrenz mit elf Metern Länge verhältnismäßig kurz und sparsam im Verbrauch. Rangierlokomotiven werden auf kurzen Strecken mit schweren Anhängern eingesetzt – etwa in großen Industriehäfen.

Auch wenn Loks heute nicht mehr mit Dampf, sondern Diesel oder Strom betrieben würden, habe sich am Funktionsprinzip seit dem 19. Jahrhundert nur wenig geändert, erklärt ein Ingenieur von Vossloh: „Als Transportmittel sind Loks unschlagbar, schließlich braucht man selbst für sehr lange Züge oft nur einen Lokführer. Außerdem können sie viel schwerere Güter bewegen als Lkws und Flugzeuge.“ Hannes Heine

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben