Wirtschaft : Bahn muss ihr Gewinnziel senken

Konzern will 2011 rund 2,5 Milliarden Euro verdienen / Gute Konjunktur sorgt für Rekorde

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Deutsche Bahn korrigiert ihre Gewinnplanung für die kommenden Jahre leicht nach unten. Wie der Tagesspiegel am Donnerstag aus informierten Kreisen erfuhr, werde der Gewinnzuwachs bis 2011 jeweils um „deutlich weniger“ als 100 Millionen Euro pro Jahr geringer ausfallen als bislang vorgesehen. Diese Projektion werde dem Aufsichtsrat auf seiner Sitzung an diesem Freitag vorgelegt, hieß es weiter. Für das Jahr 2011 plant der Staatskonzern demnach ein Betriebsergebnis nach Zinsen von 2,5 Milliarden Euro.

In der bisherigen Planung der Bahn lagen die anvisierten Gewinnsteigerungen nach Zinsen pro Jahr teilweise bei mehr als 400 Millionen, teilweise bei mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr. Über den gesamten Zeitraum verringere sich der Gewinn voraussichtlich nicht wesentlich, hieß es.

Schuld an der Korrektur seien zum einen die gekürzten Regionalisierungsmittel. Dieses Geld überweist der Bund den Ländern, die damit bei der Bahn und bei privaten Konkurrenten Nahverkehrszüge bestellen. Die Regierungskoalition aus SPD und Union reduziert diese Zuschüsse von in diesem Jahr gut sieben Milliarden Euro schrittweise auf 6,6 Milliarden Euro ab dem Jahr 2008. Außerdem, so hieß es in den Kreisen weiter, belasteten die Bahn gestiegene Kosten für Strom und Diesel. Zwar hebt die Bahn zum Jahreswechsel die Preise um 5,6 Prozent (Fernzüge) und 2,9 Prozent (Regionalverkehr) an. Diese Zusatzeinnahmen könnten die höheren Belastungen aber nicht vollständig ausgleichen, hieß es.

Die Geschäftsentwicklung bei der Bahn wird angesichts der geplanten Teilprivatisierung des letzten großen Staatsunternehmens aufmerksam beobachtet. Für den Preis, den der Bund beim Verkauf eines Bahn-Anteils an einen Investor erzielen kann, ist die Gewinnentwicklung von entscheidender Bedeutung. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) plant derzeit eine Privatisierung der Bahn ab 2008 oder 2009.

Voraussetzung dafür ist aber, dass sich die Koalition zuvor auf die Modalitäten einigt. Tiefensees Beamte arbeiten derzeit an einem Gesetzentwurf, er soll im Frühjahr im Parlament beraten werden. SPD und Union streiten aber noch darüber, wie viel Einfluss die Bahn auf das 34 000 Kilometer lange Schienennetz bekommt. Die Abgeordneten hatten zudem stets verlangt, dass die Bahn ihre Kapitalmarktfähigkeit nachweisen müsse. Nach Informationen dieser Zeitung prüfen bereits Anleger aus mehreren Ländern ein Engagement bei dem Konzern.

2006 entwickelt sich für die Bahn zum „Rekordjahr“, wie der Tagesspiegel weiter erfuhr. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) in den ersten zehn Monaten des Jahres werde bei rund 1,7 Milliarden Euro liegen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres habe diese Zahl bei rund einer Milliarde Euro gelegen – das Plus liegt also bei etwa 70 Prozent. Die Stützen des Geschäfts seien weiterhin die Sparten Regionalverkehr und Schenker mit dem Frachtverkehr per Lastwagen, Schiff und Flugzeug gewesen. Konzernchef Hartmut Mehdorn hatte in den vergangenen Wochen bereits umrissen, dass die Bahn 2006 angesichts der guten Konjunktur auf einen Umsatz von annähernd 30 Milliarden Euro zusteuert – bei einem Gewinn von insgesamt knapp 1,9 Milliarden Euro. Mehdorn zufolge würde die Bahn damit die Anforderungen für einen Börsengang erfüllen.

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