Bahn-Preiserhöhung : GDL will nicht schuld an teuren Tickets sein

Die angekündigte Preiserhöhung der Bahn kommt nicht gut an. Bahn-Chef Mehdorn weist aber gerne darauf hin, wer für die teureren Tickets verantwortlich ist: die Lokführer mit ihrer Gehaltserhöhung. Die so Gescholtenen sehen hinter der Preisoffensive jedoch ein ganz anderes Motiv.

Deutsche Bahn
Die DB will nach ihrem Börsengang den Personenverkehr im Ausland ausbauen. -Foto: ddp

DortmundDie Lokführergewerkschaft GDL wehrt sich gegen die Begründung der Deutschen Bahn für die angekündigten Preiserhöhungen. Bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz am Montag hatte Unternehmenschef Hartmut Mehdorn unter anderem von "weit überdurchschnittlichen Personalkosten" gesprochen und damit teurere Fahrkarten ab Dezember gerechtfertigt. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte Anfang des Jahres eine Tariferhöhung um elf Prozent durchgesetzt. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky widerspricht: "Mehdorn hat gute Zahlen vorgelegt." Die Begründung für die Preiserhöhung sei nicht haltbar. Die Halbjahresbilanz zeige, dass Personalkosten nicht ausschlaggebend seien.

Mehdorns Motiv für die höheren Preise sieht Weselsky ganz woanders. "Er macht sein Baby hübsch für den Börsengang.“ Ganz ähnlich sieht das auch Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn. Mehdorn wolle die Fahrgäste schröpfen, um den geplanten Börsengang für profithungrige Investoren attraktiv zu machen. Diesem "kundenfeindlichen Größenwahn" müsse der Bund als Eigentümer endlich ein Ende machen, forderte Kuhn.

Preiserhöhung um gut drei Prozent?

Wie groß die Preiserhöhung ausfällt, will die Bahn im September mitteilen. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" sollen die Fahrpreise Mitte Dezember um bis zu 3,2 Prozent steigen. Die Mehreinnahmen aus der neuerlichen Preiserhöhung werden sich dem Blatt zufolge im kommenden Jahr auf gut 120 Millionen Euro belaufen. Mit diesem Schritt wolle das Unternehmen im Zuge des geplanten Börsengangs seine Profitabilität im Personenverkehr absichern.

Noch im Herbst soll die neu gegründete Tochter DB Mobility Logistics für den Personen- und Güterverkehr zu 24,9 Prozent an die Börse gehen. Dabei hat die Bahn vor allem Großinvestoren im Blick. FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich mahnte, die Bahn müsse angesichts des guten Ergebnisses die Preiserhöhung besser begründen. "Sonst entsteht der Eindruck, sie versuche, den Markt abzuschöpfen", sagte er. Als Ursache für den geplanten Preisschub sieht auch er die Expansionspläne der Bahn und ihren Börsengang im Herbst.

Rund eine Milliarde Euro Gewinn

Der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Neumann, sagte: "Die Ergebnisse des Unternehmens sind so gut, dass die Mehrkosten erst einmal hätten aufgefangen werden können." Die Bahn müsse aufpassen, dass sie ihren Aufwärtstrend nicht durch zu hohe Preise wieder zunichte mache. Der Bremer Verkehrssenator Reinhard Lose (Grüne) sagte: "Wer mehr Personenverkehr auf die Schiene bringen will, sollte beim Drehen an der Preisschraube vorsichtig sein." Viel wichtiger sei eine Reform des Tarifsystems bei der Bahn. Vielfahrer und Stammkunden sollten belohnt werden.

Im ersten Halbjahr verbesserte die Bahn den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) vor Sondereffekten um 6,8 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro verglichen mit den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Unter dem Strich erhöhte sich der Überschuss bis Ende Juni um 5,4 Prozent auf 915 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 8,2 Prozent auf 16,6 Milliarden Euro zu. (sf/ddp)

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