Wirtschaft : Bahn prüft Abzug der Logistiksparte aus Berlin

Bereich soll an einem Standort konzentriert werden / Konzerngewinn steigt auf 448 Millionen Euro

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Deutsche Bahn will ihre Logistiksparte künftig an einem Standort zusammmenziehen. Dazu verabschiedete der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am Donnerstag einen entsprechenden Prüfauftrag, wie der Tagesspiegel erfuhr. In Berlin hat der Bereich der Bahn zufolge rund 100 Beschäftigte – entschieden ist aber noch nichts. Derweil stieg der Gewinn der Bahn im vergangenen Jahr auf 448 Millionen Euro. „2006 wird ein gutes Bahn-Jahr“, sagte der Konzernchef Hartmut Mehdorn. An diesem Freitag will er die Zahlen vorstellen.

Der Geschäftsbereich Logistik, der die Sparten Stinnes, Schenker und die Güterbahn Railion umfasst, steht weltweit für rund 65 000 Mitarbeiter. Bislang werden sie von den Standorten Berlin, Essen und Mainz aus geführt. Die Spitze der Sparte mit dem Vorstand Norbert Bensel hat ihren Sitz in der Hauptstadt.

Die Suche nach einer gemeinsamen Zentrale steht vermutlich im Zusammenhang mit dem angestrebten Einstieg der Bahn bei einer Hafengesellschaft. Damit will das Unternehmen im wachsenden Frachtmarkt mehr Verkehr auf die Schiene lenken. Eine solche Beteiligung strebt die Bahn möglichst rasch an. Ende 2005 hatte Mehdorn mit Hamburg verhandelt, um bei der Hafen- und Logistik AG einzusteigen. Im Gegenzug sollte die Bahn-Zentrale von der Spree an die Elbe umziehen – dies stieß aber auf den Widerstand von Berlin und Bund. Auch nach der Absage des Geschäfts hätten weitere Gespräche stattgefunden, wie ein Sprecher des Hamburger Senats am Donnerstag sagte. Ein Ergebnis habe es aber nicht gegeben. Mit Bremen, dem zweiten großen Seehafen Deutschlands, hätten noch keine Gespräche stattgefunden, versicherte ein Sprecher des Wirtschaftssenators.

Die Bahn sei auf dem Weg an die Börse 2005 „ein gutes Stück vorangekommen“, sagte der Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller nach der Sitzung des Gremiums am Donnerstag. „Das Unternehmen hat seine drei wichtigsten Ziele voll erreicht: mehr Verkehr auf die Schiene zu holen, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern und die internationale Wettbewerbsposition auszubauen.“ Inklusive der Erträge einer Immobilienbeteiligung erreichte der Gewinn nach Informationen dieser Zeitung sogar 490 Millionen Euro. Geplant waren nur 400 Millionen, im vergangenen Jahr hatte es ein Plus von 254 Millionen Euro gegeben. Ursache für die Gewinnsteigerung waren der besser laufende Fernverkehr, der lange für ein deutliches Minus gesorgt hatte. Bereits mehrfach hatte Mehdorn gesagt, dass im vergangenen Jahr so viele Menschen wie noch nie die Bahn benutzt hätten. Auch Railion schnitt besser ab als erwartet. Die beiden profitabelsten Bereiche waren weiterhin der Regional- und Stadtverkehr sowie Schenker.

Auch in das Jahr 2006 sei die Bahn „sehr gut“ gestartet, sagte Mehdorn. Die Fußball-WM, der neue Berliner Hauptbahnhof und die Strecke Nürnberg-München würden dem Konzern „zusätzlichen Schwung geben“. Die mittelfristige Finanzplanung des Konzerns, die dieser Zeitung vorliegt, sieht für 2006 einen Gewinn von 800 Millionen Euro vor. Dies sei aber „anspruchsvoll“, heißt es in dem Papier der Bahn.

Die Zahlen für 2005 indes sind für das Unternehmen besonders wichtig – denn es sind die letzten vor der Entscheidung über die Privatisierung der Bahn. Darüber soll der Bundestag bis zum Herbst befinden. Mehdorn will einen Verkauf nur zusammen mit dem Schienennetz, der Bundestag bevorzugt bislang eine Abspaltung der Gleise, um den Wettbewerb zu beflügeln. Um bei einem Börsengang einen Investor zu finden, müssen die Unternehmensdaten besonders gut sein.

Derweil drückt die Bahn aber noch eine hohe Schuldenlast von etwa 19,5 Milliarden Euro. Diese sei „planmäßig“ aufgebaut worden durch Investitionen sowie den Kauf der Firmen Schenker und Bax, sagte ein Bahnsprecher. Derzeit befinde man sich „an einer Obergrenze“, für eine mögliche Akquisition gebe es aber noch Luft. Bis 2010 will der Konzern seine Verbindlichkeiten um 8,5 Milliarden Euro reduzieren, sieht der Finanzplan vor. Das sind pro Jahr 1,7 Milliarden Euro.

In dem Papier räumt die Bahn zudem ein, dass ein Börsengang vor dem Jahr 2008 gar nicht möglich sei. Erst dann werde das Unternehmen die Kosten für Kredite und Anleihen selber verdienen, heißt es. Dies sei die „zentrale Voraussetzung“ für die Privatisierung. Mehdorn hatte ursprünglich einen erheblich früheren Börsengang angestrebt, dieser war jedoch von der früheren Bundesregierung bereits 2004 verschoben worden. Verbessern sollen sich in den kommenden Jahren in erster Linie die Bereiche Railion, Stadtverkehr und Fernverkehr.

Zugleich will der Konzern seine Investitionen deutlich zurückfahren. Waren es im vergangenen Jahr noch mehr als 6,8 Milliarden Euro, sollen es 2010 laut Planung nur noch 6,1 Milliarden sein.

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