Wirtschaft : Bahn schließt Preiserhöhungen nicht aus

Konzern beklagt „dramatische“ Kostensteigerung bei Strom und Diesel – schreibt aber schwarze Zahlen

Bernd Hops

Berlin - Die Bahn sieht sich wegen der stark steigenden Energiepreise zunehmend unter Druck. Konzernchef Hartmut Mehdorn wollte zwar am Dienstagabend keine Angaben über mögliche Fahrpreissteigerungen machen. „Wir sind noch nicht so weit.“ Das Unternehmen versuche intern, durch eine Reihe von Maßnahmen gegenzusteuern. Mehdorn schränkte jedoch ein: „Wir werden möglicherweise nicht alles auffangen können.“ Die Entwicklung sei „dramatisch“ und „bereite Sorgen“.

Trotzdem waren die Halbjahreszahlen, die Mehdorn vorlegte, gut. Das erste Mal habe der Konzern in einem ersten Halbjahr, das traditionell deutlich schwächer ist als das zweite, operativ aus eigener Kraft schwarze Zahlen geschrieben, sagte der Bahnchef.

Sehr positiv seien die diversen Billigaktionen und der Sonderverkauf bei Lidl bei den Kunden angekommen, sagte Mehdorn. Eine Wiederholung der Lidl-Aktion schloss er aus. Das Unternehmen habe aber noch weitere Ideen.

Im vergangenen Jahr hatte die Bahn, einer der größten Arbeitgeber in Berlin, das erste Mal seit 2000 einen operativen Gewinn – gut 250 Millionen Euro – eingefahren. Für dieses und die kommenden Jahre ist eine kontinuierliche Steigerung geplant – für 2005 auf gut 400 Millionen Euro. Laut Mehdorn ist der Konzern auch auf gutem Wege, seine Ziele zu erreichen. Vor allem habe sich die Lage beim Personenverkehr verbessert und im Schienengüterverkehr etwas stabilisiert.

Im ersten Halbjahr verbuchte die Bahn ein Betriebsergebnis nach Zinsen von 35 Millionen Euro – nach minus 62 Millionen Euro im Vorjahr, sagte Finanzvorstand Diethelm Sack. Der Konzernumsatz lag in den ersten sechs Monaten bei rund 12,2 Milliarden Euro. Das bedeutet – unter Herausrechnen der verkauften Mitropa und Deutsche Touring – eine Steigerung von 4,2 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet die Bahn drei Prozent.

Das stärkste Wachstum zeigte der Personenfernverkehr, der auf vergleichbarer Basis fast neun Prozent beim Umsatz auf 1,5 Milliarden Euro zulegte. Das Ergebnis der Sparte liege nur noch leicht im Minus, nachdem die Bahn hier im Vorjahr noch mehr als 200 Millionen Euro verloren hatte, sagte Finanzvorstand Sack. Da im zweiten Halbjahr aber zusätzliche Wartungskosten anfielen, rechne er für das Gesamtjahr noch nicht mit schwarzen Zahlen. Die soll es 2006 geben.

Das größte Sorgenkind ist nun Railion. Der Schienengüterverkehr kämpft mit einem starken Verfall der Transportpreise. Der Verlust in den ersten sechs Monaten lag bei 50 Millionen Euro. Mit einem Sparprogramm will die Bahn innerhalb von drei Jahren die Kosten um bis zu 20 Prozent senken. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten für dort eingesparte Mitarbeiter sieht Bahnchef Mehdorn etwa bei der Speditionstochter Schenker. Die konnte erneut stark zulegen (plus 7,4 Prozent), verdient prächtig und steuert mittlerweile mehr als ein Drittel zum Bahnumsatz bei. Bernd Hops

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