Wirtschaft : Bahn-Sparkurs bedroht Jobs von 1500 Ingenieuren

Kürzung der Investitionen trifft private Planungsbüros / Verband beklagt Verlust von Know-how

Bernd Hops

Berlin - Die Kürzungen bei den Bahninvestitionen durch den Bund bedrohen bei privaten Planungsbüros mittelfristig mindestens 1500 Stellen. Das sagte Klaus-Martin Bauer, Geschäftsführer des Verbands Beratender Ingenieure VBI, im Gespräch mit dem Tagesspiegel am Dienstag. „Bisher konnten Pleiten noch vermieden werden“, sagte Bauer. „Im Moment sind wir noch in der Phase, wo gehofft wird.“ Die Büros könnten sich für drei bis sechs Monate zwischenfinanzieren und hätten „einige hundert Stellen gestrichen“. Bald werde es aber eine ganze Reihe von Insolvenzen geben, prognostizierte Bauer. Dadurch gehe massiv Know-how verloren.

Am vergangenen Wochenende hatte bereits die Deutsche Bahn mitgeteilt, sie werde wegen der geringeren Investitionszuschüsse des Bundes Stellen bei ihrer Planungstochter DB Projektbau streichen. Bis Ende 2005 sind es voraussichtlich insgesamt bis zu 1500 Arbeitsplätze. Auch Berlin ist davon betroffen. Zuvor hatte die Regierung angekündigt, die Zuschüsse für Schienen-Investitionen in den kommenden Jahren drastisch zu reduzieren: Standen 2003 noch mehr als vier Milliarden Euro für die Ausbesserung bestehender Strecken sowie für den Bau neuer Gleise zur Verfügung, sind es in diesem Jahr nur noch 3,7 Milliarden Euro. Bis 2008 soll der Zuschuss um mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr sinken. Deshalb hat die Bahn auch kaum mehr Bedarf an Ingenieuren für die Planung neuer Strecken.

Das bedeutet neben den Kürzungen im eigenen Haus auch weniger Aufträge für private Ingenieurbüros. „Denn die ursprüngliche Planung wurde mehr als halbiert“, sagte Bauer. Zudem hatte die Bahn-Gewerkschaft Transnet von dem Staatskonzern gefordert, künftig weniger Aufträge an externe Büros zu vergeben und erst einmal das konzerneigene Personal zu beschäftigen. Die Ingenieurbüros würden VBI-Geschäftsführer Bauer zufolge außerdem durch die Einsparungen im Straßenbau getroffen, die allerdings nicht so stark wie bei der Schiene sind. Wie viele Stellen hier bedroht sind, könne aber noch nicht prognostiziert werden.

„Wo ist die ökologische Wende geblieben, die Rot-Grün versprochen hat?“, fragte Bauer. Die Planungsbüros hätten große Kapazitäten im Bahnbereich aufgebaut, da sie darauf vertraut hätten, dass die Bundesregierung mehr für den Schienenverkehr tun wolle. Jetzt müssten diese Kapazitäten wieder abgebaut werden. „Unternehmen mit einzigartigem Know-how gehen vor die Hunde, weil die Politik nicht die richtigen Prioritäten setzt“, kritisierte Bauer. Die Infrastruktur sei die Grundlage für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Die werde durch die aktuelle Politik gefährdet.

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