Wirtschaft : Bahn stockt Zugflotte für die WM auf

Konzern will Großteil der Fans transportieren

Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Bahn erwartet während der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer erheblich mehr Fahrgäste. Der Konzern geht von 100 bis 150 Millionen zusätzlichen Fahrten bundesweit aus. Am Donnerstag stellte die Bahn in Berlin eine Reihe von Maßnahmen vor, wie sie die zusätzliche Nachfrage befriedigen will. Allein im Fernverkehr sollen rund 250 zusätzliche Züge zum Einsatz kommen, kündigte Karl Friedrich Rausch, Vorstand für den Personenverkehr, an. Daneben sei geplant, mehr als 100 ICE- und IC-Züge zu verlängern.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte, das Engagement des Konzerns als nationaler Förderer der WM sei nicht profitorientiert. „Vor allem wollen wir die WM als Werbeplattform nutzen. Sie ist eine Probe für den integrierten Konzern.“ Unterm Strich erwartet Mehdorn aber durchaus, „dass wir positiv abschneiden“. 1954 habe die Bahn den legendären WM-Zug der deutschen Nationalmannschaft gestellt, „heute bringen wir die Fans in die Stadien“.

Die Bahn hat erst im vergangenen Jahr beschlossen, nationaler Förderer der WM zu werden. Schon länger engagiert sind etwa der Wettanbieter Oddset oder die Postbank. Für das Recht, mit dem Förderengagement zu werben, müssen die Unternehmen dem WM-Veranstalter Fifa eine Gebühr zahlen. Die Bahn hat sich außerdem dazu verpflichtet, bestimmte Dienstleistungen zu bieten. In den Bahnhöfen der WM-Städte wird es spezielle „Welcome Desks“ geben, an denen sich Fans zum Beispiel über die besten Verkehrsverbindungen beraten lassen können. Das lässt sich der Konzern mehr als eine Million Euro kosten. Die Bahn verspricht außerdem, dass es möglichst flächendeckend Mitarbeiter gibt, die neben Deutsch auch andere Sprachen sprechen.

Daneben hat die Bahn spezielle Ticketangebote für die Fans entwickelt. Darunter ist das vergünstigte „Weltmeister-Ticket“ für die Hin- und Rückfahrt zu bestimmten Spielen und der „Weltmeister-Pass“, eine bundesweit über die gesamt Zeit der WM gültige Netzkarte für den Nah- und Fernverkehr der Bahn. In den Austragungsstädten hat der Konzern außerdem ein erweitertes Angebot vorgesehen. In Berlin werde es Zusatz- und Sonderverbindungen der S-Bahn geben, die außerdem rund um die Uhr fahren wird.

Neben den WM-Plänen wurde am Donnerstag außerdem bekannt, dass die Bahn in den nächsten Jahren kräftig in neue Regionalzüge investieren will. Vor kurzem sei eine Ausschreibung für zunächst etwa 400 Züge herausgegeben worden, sagte eine Konzernsprecherin dem Tagesspiegel. Bis Mai würden die Angebote aus der Industrie erwartet. Die Bahn will mit dem neuen Regionalzug weg von der Vielzahl an Zugtypen, die derzeit von diversen Herstellern im Einsatz sind. Durch einen einheitlichen Zug, der leicht an regionale Anforderungen angepasst werden kann, sollen die Kosten gesenkt werden.

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