Bahn-Streiks : Lokführer drohen mit Totalblockade

Ab Mittwoch soll es Streiks im gesamten Bahnverkehr geben. Womöglich unbefristet. Parallel dazu sollen jedoch die Gespräche wieder aufgenommen werden.

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Lokführer haben mit einer massiven Ausweitung der Streiks bei der Deutschen Bahn gedroht. Vom morgigen Mittwoch an könnten der Fern-, Regional- und der Güterverkehr blockiert werden, erklärte die Gewerkschaft GDL am Montag. Entscheiden wolle man am heutigen Dienstag, auch unbefristete Streiks seien denkbar. Die geforderte neue Offerte lehnte die Bahn ab und bot lediglich Gespräche über das Moderationsergebnis von Ende August an. Kanzlerin Angela Merkel hatte zuvor beide Seiten zum Einlenken aufgefordert. „Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen, da siegt zum Schluss immer die Wand“, sagte sie der ARD.

Offensichtlich habe der Druck mit dem 42-stündigen Ausstand im Güterverkehr nicht ausgereicht, sagte der GDL-Vizevorsitzende Claus Weselsky und fügte mit Blick auf den Personenverkehr hinzu: „Deswegen werden wir die anderen Bereiche mit hinzuziehen.“ Auch Hans-Joachim Kernchen, GDL-Bezirkschef in Berlin, Brandenburg und Sachsen, will den Druck erhöhen. „Meine Leute scharren mit den Hufen“, sagte er dieser Zeitung. Allerdings plädiert er, anders als andere GDL-Bezirkschefs, zunächst noch für eine befristete Aktion als „letztes, ultimatives Signal“ an den Vorstand. „Wenn das zu nichts führt, können wir immer noch in den unbefristeten Arbeitskampf gehen“, befand er. Nötig sei ein stark verbessertes Angebot der Bahn, hieß es aus der GDL-Zentrale in Frankfurt am Main. Die Lokführer fordern starke Lohnaufschläge sowie einen eigenen Tarifvertrag. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen am Dienstag GDL-Chef Manfred Schell und seine Vertreter Weselsky sowie Günther Kinscher.

Die Bahn hofft, einen Stillstand verhindern zu können. „Wenn wir rechtzeitig vorgewarnt werden, wird es Ersatzfahrpläne geben“, sagte ein Bahn-Sprecher. Man strebe an, einen großen Teil der Züge im Fernverkehr fahren zu lassen. „Nur ein kleiner Teil der ICEs und der ICs wird vermutlich nicht fahren“, sagte er. Die Bahn rief die GDL erneut zu Gesprächen auf. „Wir haben am 15. Oktober ein gutes Angebot vorgelegt, das auch eigenständige Tarifregelungen für die Lokführer vorsieht. Darüber sollten wir ins Gespräch kommen“, hieß es im Konzern.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee warnte unterdessen vor den Folgen gleichzeitiger Streiks im Personen- und Güterverkehr. „Man kann sich das gar nicht schlimm genug ausmalen“, sagte der SPD-Politiker. Er forderte die Kontrahenten erneut auf, miteinander zu verhandeln. Diese sollten die Moderatorengespräche als Fundament wählen: „Kommt zusammen an den Tisch und versucht auszuloten, ob auf der Basis des Ergebnisses vom August nicht schnell eine Lösung möglich ist“, sagte er.

Trotz des Streits werden immer mehr Güter per Bahn transportiert. Von Januar bis September stieg die Transportmenge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,6 Prozent auf 271 Millionen Tonnen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit werden täglich eine Million Tonnen Güter auf der Schiene befördert. Die sogenannte Transportleistung sei um 9,5 Prozent auf 86,4 Milliarden Tonnenkilometer gestiegen, das sei ein Rekord für die ersten neun Monate.

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