Bahn-Tarifkonflikt : "Von diesen Neinsagern lassen wir uns nicht erpressen"

Im Tarifkonflikt zwischen Bahn und Lokführern geht es wieder Schlag auf Schlag: Das Ultimatum, mit dem die GDL ein neues Angebot fordert, lehnte die Bahn umgehend ab. Der Zugverkehr normalisierte sich nach Streikende überraschend schnell.

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Streikende Lokführer demonstrieren für einen eigenen Tarifvertrag. -Foto: dpa

Berlin/Frankfurt Die Deutsche Bahn hat im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL deren jüngstes Ultimatum zurückgewiesen. "Von diesen Neinsagern lassen wir uns nicht erpressen", sagte Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch. Die GDL hatte das Unternehmen zuvor aufgefordert, bis kommenden Montag um 15 Uhr ein verbessertes Angebot vorzulegen. Rausch sagte dazu: "Unser wiederholt verbessertes Angebot liegt auf dem Tisch." Es sei die GDL, die seit Monaten jede Verhandlung darüber kategorisch verweigert habe.

Die GDL hatte zuvor mit der Fristsetzung für ein neues Angebot mit weiteren Streiks gedroht. "Es liegt in der Verantwortung des Bahnvorstands, weitere Arbeitskämpfe zu vermeiden", sagte der GDL-Vize-Vorsitzende Claus Weselsky. "Dazu bedarf es nur eines Tarifangebots auf der Basis eines eigenständigen Tarifvertrages und keiner erneuten Mogelpackung." Mit ihrer bisherigen Haltung "beschwört die Bahn eine noch schärfere Gangart im Tarifkonflikt herauf."

Die GDL hofft auf eine positive Entscheidung des Landesarbeitsgericht Chemnitz am kommenden Freitag (2. November) über die Rechtmäßigkeit der Lokführerstreiks. "Wir wollen den Druck erhöhen und auch im Güter- und Fernverkehr Aktionen durchführen", sagte Weselsky. In erster Instanz hatte das Arbeitsgericht Chemnitz per Einstweiliger Verfügung nur Streiks im Regionalverkehr erlaubt. Am Montag will die GDL über das weitere Vorgehen entscheiden.

Bahnverkehr normalisiert sich schneller als erwartet

Der regionale Zugverkehr in Deutschland hat sich nach dem Ende des 30-stündigen Lokführerstreiks rasch normalisiert. "Der Verkehr läuft schneller und besser als von uns selbst erwartet", sagte Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch. Bereits mittags um zwölf Uhr seien in Westdeutschland 95 bis 100 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen wieder nach Plan gefahren. Im Osten habe diese Quote bei 60 bis 85 Prozent gelegen.

Der mit 30 Stunden längste Streik im Tarifkonflikt war am Morgen um acht Uhr zu Ende gegangen. Sowohl die Gewerkschaft als auch die Bahn sprachen von weitreichenden Folgen. Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch sagte, insgesamt seien 18.000 Regionalzüge und S-Bahnen ausgefallen, also die Hälfte des normalen Angebots. Von dem Ausstand seien etwa 2,7 Millionen Pendler betroffen gewesen.

GDL feiert Streik als Erfolg

Nach Rauschs Worten beteiligten sich 2500 in der Gewerkschaft GDL organisierte Lokführer an den Arbeitsniederlegungen, 55 Prozent von ihnen in Ostdeutschland. Nach Ende des Streiks um acht Uhr wurde der Zugbetrieb wieder hoch gefahren.

Die GDL sprach in ihrer Bilanz von einem "äußerst wirksamen Streik". Im Osten Deutschlands seien die Züge fast flächendeckend stehengeblieben. "Der Streik war ein Zeichen, dass die Mitglieder die GDL einhellig unterstützen und bereit sind, jeden notwendigen Druck auf den Arbeitgeber auszuüben", sagte Weselsky. (mit dpa)

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