Wirtschaft : Bahn-Tochter Schenker unter Kartellverdacht

C. Schlautmann[H. Hauschild (HB)]

Brüssel/Berlin - Die europäischen und US-amerikanischen Wettbewerbsbehörden haben zum Schlag gegen ein mutmaßliches Kartell weltweit führender Speditionen ausgeholt. In einer abgestimmten Überraschungsaktion durchsuchten die Ermittler am Mittwoch unter anderem die Geschäftsräume des zur Deutschen Bahn gehörenden Spediteurs Schenker und der Schweizer Unternehmen Kühne & Nagel sowie Panalpina.

Es bestehe der Verdacht auf illegale Preisabsprachen bei Speditions- und Logistikdiensten, sagte ein Sprecher der Schweizer Wettbewerbskommission. Bestätigt sich dies, drohen den Unternehmen in der EU Geldbußen bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes.

Auslöser der Razzien sei die Selbstanzeige eines Speditionsunternehmens gewesen, sagte der Sprecher der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko). Hintergrund dürfte sein, dass die Kronzeugen eines Kartellvergehens in der EU mit Nachlässen bei der Geldbuße rechnen können. Die EU-Kommission, das US- Justizministerium und die Schweizer Wettbewerbskommission hätten ihr Vorgehen abgestimmt, sagte der Sprecher.

Nach Angaben der Schweizer Kartelljäger zielen die Ermittlungen auf rechtswidrige Absprachen bei der Weitergabe verschiedener Arten von Zuschlägen im Speditionsgeschäft an die Kunden. Betroffen seien der Luft-, Land- und Seeverkehr. Konkret nannte der Sprecher Treibstoff-, Vorabfertigungs- und Mehrwertsteuerzuschläge. Die vermuteten Kartellabsprachen seien über mehrere Jahre getroffen worden. Aus Kreisen der Kartellbehörden hieß es zudem, dass als Ergebnis der Razzien weitere Unternehmen in das Visier der Ermittlungen geraten könnten.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat den Kampf gegen verbotene Kartelle zu einem ihrer wichtigsten Ziele erklärt. Dass sie hart durchgreifen will, zeigte sie mit mehreren spektakulären Rekordbußgeldern. Kartellrechtsexperten glauben deshalb nicht, dass die nun ins Visier geratenen Speditionsunternehmen ungeschoren davonkommen.

Die Durchsuchungen erfolgten am Mittwoch weltweit fast zeitgleich. „Neben unserem Firmensitz in Essen sind auch die Niederlassungen in den USA, der Schweiz und Südafrika durchsucht worden“, sagte ein Sprecher von Schenker auf Anfrage. In der Nähe des New Yorker Flughafens JFK forderten FBI-Beamte die verantwortlichen Manager und IT-Spezialisten der Bahn-Tochter auf, interne Akten und Computerdateien auszuhändigen. Den Rest der Belegschaft schickte die Bundespolizei für einen Tag nach Hause.

Auch die Post-Tochter DHL gab bekannt, von den Wettbewerbshütern „kontaktiert“ worden zu sein. Durchsuchungen habe es aber nicht gegeben. Von den Durchsuchungen verschont wurde nach eigenen Angaben auch der Frachtflieger Lufthansa Cargo. Die Lufthansa-Tochter hatte bereits vor zwei Jahren zusammen mit British Airways, Air France/KLM, Cargolux und SAS Durchsuchungen über sich ergehen lassen müssen. Wegen Preisabsprachen bei Treibstoffzuschlägen einigte sich Lufthansa Cargo außergerichtlich auf eine Zahlung von 90 Millionen Euro. Andere Verfahren laufen noch.

C. Schlautmann, H. Hauschild (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben