Wirtschaft : Bahn transportiert keine Kohle mehr

Mehdorn: 2005 fällt das Ergebnis schlechter aus als erwartet/Tiefe Einschnitte im Güterverkehr geplant

Dieter Fockenbrock,Bernd Hops

Berlin - Die Güterverkehrstochter der Bahn, Railion, ist in diesem Jahr in die roten Zahlen gerutscht und wird die größte Last eines neuen Kostensparprogramms von Bahnchef Hartmut Mehdorn tragen. Dies berichteten Aufsichtsratskreise der Bahn am Montag dem Tagesspiegel. „Railion ist die größte Baustelle“, hieß es. Die Güterverkehrstochter leidet wegen der scharfen Konkurrenz durch Lastwagen und Binnenschifffahrt unter einem starken Margenverfall im Inland. Kohletransporte sollen deshalb teilweise aufgegeben werden.

Im Inland ist ein drastischer Stellenabbau in der Planung. Bis zu 8000 von knapp 25000 Stellen könnten bei der Güterverkehrstochter bis 2009 wegfallen, hieß es. Diese Zahl bezeichnete Mehdorn jedoch als übertrieben. Genaue Angaben machte der Bahnchef nicht.

An diesem Dienstag sollen erst die Mitarbeitervertreter über die zukünftige Strategie des Konzerns und die überarbeitete Finanzplanung informiert werden. Bis Weihnachten sollen dann die Pläne des Vorstandes vom Konzernaufsichtsrat genehmigt werden.

Laut den Aufsichtsratskreisen sollen zur Sanierung von Railion auch Preise erhöht werden. In Branchenkreisen ist vom Versuch die Rede, die Tarife zwischen sieben und 40 Prozent zu erhöhen. „Die stehen schwer unter Druck, Transporte wieder mit Gewinn zu fahren“, kommentiert ein Experte. Doch ob sich die Bahn damit durchsetzen kann, gilt als fraglich. Industrie und Handel erwarten eher Preisnachlässe. Dort, wo die Bahn schon längst nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten kann, will sie sich ganz verabschieden. So steht etwa die Aufgabe von Kohletransporten vom niederländischen Hafen Rotterdam in das Ruhrgebiet offenbar kurz bevor. Das Feld würde die Bahn dann den Binnenschiffern überlassen.

Seit der Liberalisierung des Transportmarktes vor rund zehn Jahren sind die Preise im innerdeutschen Kohletransport beispielsweise auf ein Drittel der früheren Frachtraten gefallen. Binnenschiffer kalkulieren mit 0,5 bis ein Eurocent pro Tonnenkilometer. Damit kann die Bahn nicht mithalten, die aber nach Informationen aus dem Transportgewerbe weiter versuchte, mit Dumpingpreisen im Geschäft zu bleiben. Dadurch hat sie wachsende Verluste produziert.

Jetzt kann nicht einmal mehr die profitable Speditionstochter Schenker ausgleichen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wird der Bahngüterverkehr im nächsten Jahr 160 Millionen Euro Betriebsverlust einfahren. In diesem Jahr werde mit insgesamt 40 Millionen Euro Verlust bei Railion gerechnet. Railion schreibt rote Zahlen, obwohl die Frachtmenge gestiegen ist. Erst 2006 erwartet Bahnchef Mehdorn, dass die Sparte wieder mit Gewinn fährt – ein Jahr später als bisher geplant. Das Gleiche gelte für den Personenfernverkehr. Deshalb werde auch die Kapitalmarktfähigkeit – Voraussetzung für einen Börsengang – erst 2006 erreicht.

Die Probleme im Güterverkehr und im Personenfernverkehr werden im kommenden Jahr das Ergebnis der Deutschen Bahn belasten. Das hat der Bahnchef jetzt erstmals öffentlich bei einer Tagung auf Mallorca eingeräumt. In mehreren Interviews sagte er, im kommenden Jahr werde das Ergebnis voraussichtlich um 200 bis 300 Millionen Euro niedriger ausfallen als geplant. Grund sei die weiterhin schwache Konjunktur, sagte Mehdorn. Daneben sind offenbar die Sparpläne für den defizitären Schienengüterverkehr weitgehend fertig. Wie der Tagesspiegel aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, sollen hier bis 2009 jährlich 500 Millionen Euro eingespart werden. Konzernweit sollen es insgesamt eine Milliarde Euro pro Jahr werden.

Erst vor kurzem musste die Bahn einräumen, dass sie in diesem Jahr ihre Planung nicht einhalten kann. Statt der ursprünglich angestrebten rund 300 Millionen Euro als Betriebsergnis vor Steuern werden es wahrscheinlich 200 Millionen – und die sind zum größten Teil dem seit dem Sommer geltenden Sparprogramm zu verdanken. Für das kommende Jahr hatte die Bahn ein Ergebnis von 700 bis 800 Millionen Euro geplant. Jetzt sollen es 500 bis 600 Millionen Euro werden.

Mehdorn kündigte nun an, die Effizienz im Konzern solle um drei bis fünf Prozent jährlich steigen. Ziel bleibe weiterhin die Kapitalmarktfähigkeit. Das milliardenschwere Sparprogramm wollte Mehdorn allerdings nicht bestätigen.

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